Wegunterbrechungen

Am Freitag war ich ja mal wieder mit Öffis unterwegs. Da ich das nicht so oft bin, muss ich mich immer erst ein wenig orientieren. Und was ich da gar nicht haben kann ist, wenn mich jemand anquatscht. Und sie sind überall! Bei jeder U-Bahn-Station kann man Gutes tun. Kinder, Tiere, Klimawandel…. Ich für meinen Teil tue eher dann Gutes, wenn ich zum einen gerade Geld übrig habe – was vor Weihnachten eher nicht der Fall ist – und dann auch noch zu Hause auf der Couch, wenn ich Zeit habe. Nicht wenn ich versuche mit meinem Handy den richtigen Weg zu finden….

Und so ließ ich den jungen Mann stehen. Genauso wie den jungen Mann der mich mitten auf der Straße anquatschte und fragte ob ich denn ein wenig Geld für ihn hätte. Er sei ukrainischer Student…. Schön. Ich habe nicht mal Geld für mein eigenes Studium….

Auf dem Rückweg ging es mir nicht viel anders. Doch der wirkliche Clou passierte mir in Wien Meidling. Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Bus, um mein Auto zu holen und in Gedanken vertieft, ob ich wohl einen Zwischenstopp beim Mäcki machen sollte. Schließlich hatte ich schon ziemlichen Hunger… Da quatscht mich ein Mädel von der Seite an.

„Tschuldigung. Könnten sie die alte Dame bitte mit nach oben nehmen. Ich habe Fieber und muss nach Hause!“

Sprach sie und drückte mir eine alte Dame in die Hand. Diese erzählte mir von ihrem grauen Star und ihrer gebrochenen Schulter und von ihrer Osteoporose. Alles den kurzen Weg die Rolltreppe hoch. Oben angekommen, wollte sie von mir wissen, ob ich auch die eine Straße runter müsse. Ähm. Nein. Ich wollte eigentlich zum Mäcki. Doch natürlich ließ ich das alte Mutterl nicht alleine. Ich brachte sie bis vor die Haustüre. Dabei erfuhr ich noch ein wenig mehr. Sie ist 78, war früher Sportlerin, gerade auf dem Weg nach Hause von der Frau Doktor, hatte Schmerzen, haderte mit ihrem Schicksal, hatte beide Eltern gepflegt…..

Bei ihrer Haustür angekommen umarmte ich sie noch und verabschiedete mich. Auf dem Heimweg dachte ich dann auch ein wenig an sie. Und an die junge Frau die sie an mich übergeben hatte. Ich meine, ich hätte ja auch eine Serienkillerin sein können! Also ganz ungefährlich war das irgendwie nicht. Wobei ich glaube die junge Frau hatte die alte Dame vielleicht ähnlich geerbt wie ich. Vielleicht sogar beim Arzt? Aber es ging ja alles gut. Die alte Dame kam wohlbehalten zu Hause an und ich hatte eine gute Tat vollbracht. Und dafür hatte ich noch nicht mal mein Geldbörsel zücken müssen….

© Libellchen, 2016

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