Ein schwieriges Thema

Religionen. Ganz ehrlich. Ich bin kein Fan davon. Von keiner einzigen. Diejenige die ich noch am ehesten mag, ist der Buddhismus. Doch zu 100% ist sie auch nicht meines. Ich suche mir lieber aus allen Glaubensrichtungen den Teil der mir am besten gefällt. Vielleicht habe ich deshalb eine andere Sicht der Dinge, als viele andere.

Im Moment ist Islam-Bashing wieder hoch im Kurs. Ja, ich mag auch vieles nicht was im Koran gelehrt wird. Aber da habe ich bei der Bibel dasselbe Problem! Da es im Moment mal wieder gegen eine andere Religion geht, werden die christlichen Werte wieder extrem hochgehalten. Das finde ich so lange in Ordnung, so lange wir von christlicher Nächstenliebe sprechen. Von den 10 Geboten – nicht töten, etc. Von der Gabe des Verzeihens. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass es darum geht. Im Gegenteil! Im Moment fühlt es sich einfach an wie – Wir Christen sind gut, die Muslime sind schlecht.

Letztens habe ich eine Dokumentation gesehen über die Kreuzritter. Wo die Christen im Auftrag des Papstes ausgezogen sind um Muslime zu erschlagen und Jerusalem zu befreien. Schon klar, lange her, aber die Christen waren nicht immer so „gut“ wie sie sich gerne darstellen. Hexenverbrennungen, die Rolle der katholischen Kirche im zweiten Weltkrieg und Kindesmissbrauchsfällen die immer mal gerne verschwiegen werden. Die sind übrigens noch nicht so lange her!
Ich finde es grundsätzlich nicht in Ordnung, wenn im Namen einer Religion Menschen getötet werden. Religion sollte für mich Trost spenden, eine Gemeinschaft, wo man sich wohl fühlt, wo einem geholfen wird. Da ich das noch nicht wirklich gefunden habe, habe ich mit den Religionen einfach meine Probleme.

Doch eigentlich ist es egal. Wir leben nämlich in einem Rechtsstaat und keine Theokratie! Für mich ist nur wichtig, ob sich ein Mensch an die Regeln des Rechtsstaates hält. Wenn er oder sie das tut, ist es mir total egal woran er oder sie glaubt, welcher Herkunft er oder sie ist, welche Haut-, Augen- oder Haarfarbe er oder sie hat. Und der Rechtsstaat würde eigentlich eh alles abdecken, wo jetzt so extrem befürchtet wird, dass die Muslime uns ihr Art zu leben aufzwingen. Du darfst nicht töten. Religionsfreiheit – dies gilt auch für Christen und Menschen wie mich, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Gleichberechtigung der Frauen – wobei sich einige österreichischen Männer damit oftmals auch sehr schwer tun. Wahlrecht der Frauen. Etc.

Was ist also wirklich die Angst der Menschen vor dem Islam? Ist es nur die Angst vor dem Fremden? Oder die Angst vor der Zukunft? Was ist, wenn in vier Generationen mehr Muslime in Österreich leben? Bekommen wir dann eine Theokratie? Sind das die Ängste? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Angst vor einer Religion per se. Ich habe auch keine Angst vor dem was in einem Buch steht. Ich habe nur Angst, vor der Angst der Menschen. Wenn Menschen Angst haben, dann handeln sie unüberlegt. Getrieben von ihrem Überlebensinstinkt. Und das kann Angriff, Flucht oder Schockstarre sein. Und momentan erkenne ich viele Tendenzen in Richtung Angriff – sicherheitshalber mal auf den anderen losgehen, bevor er auf mich losgeht. Angriff ist die beste Verteidigung….

Das gefällt mir nicht. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Wenn wir so weitermachen, bekommen wir ein wirkliches Problem. Doch noch habe ich die Hoffnung, dass es mehr vernünftige Menschen gibt, als angstgesteuerte. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

© Libellchen, 2016

Ein Kommentar zu “Ein schwieriges Thema

  1. Kompliment für deinen text und deine Auffassung und alles was du rund um den glauben für dich herausfilterst und schön zu lesen dass du in etwas gleich tickst wie ich oder ich wie du und das dementsprechend auch laut aussprichst!

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