Treppenwitz Geschichte

Für mich ist Geschichte vor allem deshalb wichtig um zu verstehen, warum es überhaupt Konflikte auf dieser Welt gibt. Das kommt ja alles nicht von irgendwoher. Irgendwann mal hat einer angefangen. Mag er Kain geheißen haben oder auch ganz anders. Irgendeiner war der erste. Wer das war, werden wir zwar nicht mehr herausfinden, doch es muss einen ersten Auslöser gegeben haben – wahrscheinlich ging es damals ums eigene Überleben.

Ich vergesse oft, dass es neben der Zeitgeschichte auch noch andere Teilbereiche der Geschichte gibt. Kunstgeschichte zum Beispiel. Wahrscheinlich ist es also mein Fehler, dass ich so schockiert war. Ich gehe bei Geschichte automatisch von Zeitgeschichte aus. Wenn sich also jemand nicht für die Zeitgeschichte interessiert, assoziiere ich automatisch ein mangelndes Interesse an der gesamten Geschichte. Was von mir definitiv nicht in Ordnung ist. Mich interessiert zum Beispiel die Kunstgeschichte überhaupt nicht, die Zeit- und Kulturgeschichte, sowie die Beteiligung der Religionen an beiden, sehr wohl! Aber genug von mir.

Margit will von Zeitgeschichte nichts wissen – das Grauen könnte sonst vielleicht zu real werden und ihren rassistischen Ansätzen zuwider laufen. Sie ist jemand der sich auf einer Seite „Schindler´s Liste“ nicht anschauen will, weil das einfach zu brutal war, in ihrer Sprache hat sie aber sehr brutale antisemitische Ansätze. Ihr wäre es also durchaus recht wenn es keine Juden mehr gäbe, nur wie sie umgebracht werden, will sie dann lieber nicht wissen. Wobei sich das nicht nur auf Juden beschränkt. Margit muss zurzeit recht glücklich sein, schließlich erklärte sie mir schon vor Jahren, dass sie Schengen nicht mag. Schließlich können da die ganzen Tschuschen einfach so herüberkommen. Was sie andererseits wiederum nicht davon abhielt, sich auch körperlich auf einen Tschechen einzulassen…. Ich bin es also schon gewohnt, ihren geistigen Ergüssen einfach nicht folgen zu können.

Vor zwei Wochen schaute ich mir mit Barbara „13 hours-the secret soldiers of bengahzi“ an. Beruhend auf einer wahren Begebenheit. In der darauffolgenden Wochen schauten wir uns zu dritt „London has fallen“ an. Eine fiktive Hollywood-Geschichte. Kollege BFF und ich waren uns einig „13 hours“ ist besser. Da erklärte sie ihm dann, dass sie sich sowas nicht anschauen könne, da es ja einen echten Hintergrund hat „London has fallen“ aber sehr wohl gesehen habe und es ihr auch gefallen habe! Er konnte ihrem Gedanken dann nicht so wirklich folgen, denn inhaltlich ist da nicht sehr viel Unterschied….

Doch auch das kenne ich schon und wundere mich nicht mehr wirklich darüber. Doch im Laufe der letzten Woche offenbarte sie mir dann etwas, was mich verstummen lies. Auf meinem Tisch lag ein blaues Buch über Dienstleistungsmanagement von meinem Chef und da meinte sie. „Ich hab auch so eines zu Hause. Das war ein Geschenk von meinen Eltern, als ich damals überlegt hatte Geschichte zu studieren.“ – Ich schätze mal sie bezog sich bei ihrer Aussage auf die Farbe des Buches und nicht auf den Inhalt.

Und da ich vergessen hatte, dass es ja auch Kunstgeschichte gibt, war ich total schockiert. Für Zeitgeschichte, Kulturgeschichte und die Geschichte der Religionen interessiert sie sich zwar nicht, aber vielleicht ja für Kunstgeschichte. Ja es muss einfach die Kunstgeschichte sein! Alles andere ist doch viel zu real!

© Libellchen, 2016

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