Summer of 69

Ja, auch Bryan Adams birgt ein paar Erinnerungen. Auch wenn wir seinen Song umgedichtet hatten. Für uns war es nämlich nicht der „Summer of 69“ sondern der „Summer of 96“. 1996 spielte es diesen Song auf jedem Bad- und Feuerwehrfest in unserem ganzen Graben. Kunststück wir hatten ja auch nur einen DJ, der auf jedem Fest auflegte. Und er hatte es sofort gemerkt, wie wir zu dem Musikstück abgingen. Wir tanzten, wir hüpften, wir grölten. Wir waren glückliche Singles. Frei. Ungebunden. Jung. Hübsch. Uns gehörte die Welt!

Es war ein Sommer wo wir feierten. Wo wir flirteten. Wo wir einfach glücklich waren, frei und ungebunden zu sein. Zumindest nach außen….

Denn so einfach war es dann doch nicht. Es gab da schon jemand an den ich mich gern gebunden hätte, doch er war ein Jäger. Für ihn waren nur Mädels interessant, die er erobern musste. Jedes Mal wenn wir uns nüchtern unterhielten, ging er betrunken mit einem anderen Mädel nach Hause. Jedes Mal wenn ich mit anderen flirtete und ihn ignorierte, ging er mit mir. Und so feierte ich den Sommer meines Lebens. Ich tat alles um ihm das Gefühl zu geben, ihn gar nicht zu wollen. Das funktionierte auch recht lange, relativ gut. Ich war damals eine bessere Schauspielerin als heute.

Doch es gab ein grundlegendes Problem. Ich wollte ihn ja eigentlich und er ging davon aus, dass ich nur meinen Spaß mit ihm wollte. Als ich ihm dann im Herbst die Wahrheit sagte, schlug ich emotional mal wieder frontal auf. Der Sommer meines Lebens war vorbei. Die Spielerei, die Flirterei, wich einem emotionalen Tief. Meine Stimmung passte sich der Jahreszeit an. Alles war wieder grau.

Doch der Sommer zuvor war voller Farben. Es war noch alles offen. Ich hatte noch Hoffnung auf ein Happy End und tanzte zu Bryan Adams. Es war ein schöner Sommer. Wahrscheinlich wirklich der Sommer meines Lebens. Ich ging noch zur Schule. Hatte noch keine Verantwortung. Konnte die Sommerferien mit Party verbringen. Und hatte noch die Hoffnung auf ein Happy End. Natürlich belog ich mich den ganzen Sommer selber – was ich auch wusste. Doch ich wollte das Hochgefühl so lange wie möglich aufrechterhalten. Ich lebte ausschließlich im „Jetzt“ damals.

© Libellchen, 2016

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