Zielstrebig…

…oder doch einfach nur stur?

Ich bin im Sternzeichen Steinbock geboren und auch wenn ich nichts von diesen Horoskopen in den Tageszeitungen halte, kann ich nicht abstreiten, dass eine Charaktereigenschaft des Steinbockes auch ich mein eigen nenne. Ich bin stur. Immer schon gewesen. Wenn ich etwas nicht will, will ich nicht. Da bin ich gnadenlos. Wobei man mich schon rumkriegen kann, man muss aber wissen wie! Mir etwas vorschreiben zu wollen ist definitiv der falsche Weg. Wenn mir jemand sagt, dass ich etwas tun MUSS, kann es schon mal passieren, dass ich aus Prinzip auf stur schalte und es dann erst recht nicht mache – auch wenn ich kein Problem gehabt hätte, wenn ich es tun hätte müssen.

Als Kind/Jugendliche habe ich diese – aus Prinzip stur Seite – exzessive ausgelebt. Unzählige Menschen sind gegen diese unsichtbare Mauer gelaufen. Ich merke mir auch wenn mir jemand zum Beispiel sagt ich solle mich wo raushalten. Dann tue ich das auch. Der-/Diejenige braucht dann aber nicht nach einer Woche ankommen und um Hilfe bitten. Einmal den Auftrag rauszuhalten erhalten – mach deinen Sch… alleine. Auch dies ist eine der negativen Seiten des Stur-Seins.

Mit den Jahren bin ich ein wenig ruhiger geworden. Diese extreme Stur-Sein-Seite meines Ichs ist ein wenig abgeflacht. Ich kann mittlerweile vergeben, wenn auch nicht vergessen. Ich habe zumindest im Familienkreis diese Stur-bis-zum-bitteren-Ende-Seite an mir ein wenig reduziert. Ich kann da mittlerweile doch auch nachgeben. Man könnte sagen, die Vernunft hat mittlerweile weit mehr zu sagen als der Dickschädel. Gewisse Menschen möchte ich trotzdem nicht mehr in meinem Leben sehen. Doch dabei geht es mehr um Eigenschutz und weniger ums Prinzip.

Eigentlich war die Charaktereigenschaft „stur“ in den letzten Jahren gar kein Thema mehr bei mir. Doch letztens bin ich draufgekommen, dass ich sie nur ein wenig umgewandelt hatte! Eine Arbeitskollegin meinte vor kurzem, sie bewundere mich für meine Zielstrebigkeit. Wie ich zu rauchen aufgehört habe, wie ich abgenommen habe, mein Umzug und alles was ich im Büro leiste. Ich zuckte nur mit den Achseln und meinte „Ich bin halt stur.“ Und es stimmt. Es ist genau dieses Stur-aus-Prinzip, dass ich mittlerweile umgewandelt habe in Zielstrebig-bis-zum-bitteren-Ende. Für mich war damals klar, wenn ich kommuniziere „Ich höre zu rauchen auf“, dass ich nie wieder eine Zigarette anrühre. Alles andere wäre ein Verrat an meinem Charakter gewesen – an meinem sturen Anteil zumindest. Genauso mit dem Abnehmen. Ich habe einen Weg gesucht denn ich durchziehen kann. Ich habe nie eine Diät gemacht, weil mir immer klar war, dass ich das nicht durchhalten kann. Und ein Jo-Jo-Effekt kommt einem Gesichtsverlust gleich.

Ja meine sture Seite ist ganz eng mit meinem Stolz verbunden. Auch das stur-aus-Prinzip hat etwas mit (verletztem) Stolz zu tun – wer nicht will, der hat schon, der braucht dann aber auch nichts mehr von mir wollen… Für mich war auch im Projekt immer klar, wenn ich den Auftrag/die Chance bekomme mitzuwirken, gebe ich auch mein Bestes. Ich kämpfe, ich mache, ich tue. Ich gebe nicht auf. Niemals. Das kann einen natürlich auch aufreiben. Ein Ausgleich ist also extrem wichtig. Doch mittlerweile habe ich auch das recht gut im Griff. Mein Stur-sein behindert mich nicht mehr in meinem Fortkommen so wie früher. Ich nutze es mittlerweile für mein Vorwärtskommen. Ich habe also gelernt eine Charaktereigenschaft, mit der ich mir in jungen Jahren viele Steine selbst in den Weg gelegt habe, mittlerweile dazu zu nutzen jeden Felsen zu überschreiten. Gut so!

© Libellchen, 2015

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