Badeoutfit

Wenn ich so gemütlich in der schattigen Wiese am See liege, habe ich viel Zeit über vieles nachzudenken. Unter anderem über die Wahl der Bademode von einzelnen Personen. Fangen wir mit meiner eigenen Wahl an. Als ich noch bei weitem nicht so zufrieden war mit mir wie heute, trug ich schon Bikini. Badeanzüge hatten nämlich schon immer die Angewohnheit mich noch unförmiger erscheinen zu lassen, als ich sowieso schon bin. Und wenn ich Bikini trage, schauen die meisten Männer sowieso nur auf meine Brust und kommen mit ihren Augen gar nicht weiter nach unten. Eine Zeitlang habe ich Tankini probiert, aber Mädels wenn ihr zu viel Kilos habt, dann kaschiert dies auch der Tankini nicht! Nachdem ich das erste Foto von mir im Tankini gesehen hatte, beschloss ich den Mehrstoff wieder zu vergessen und einfach weiterhin jeden Fotoapparat zu meiden.

Letztens im Büro haben sich Silvia und Margit über Bademode unterhalten und sich darüber mokiert, dass Anabel mit ihrer Figur Bikini trägt. Keine Ahnung warum Margit da überhaupt mitgeredet hat, schließlich meidet die Wasser, Sonne, See, Bad, etc. wie der Teufel das Weihwasser. Ich weiß auch gar nicht ob sie überhaupt Bademode besitzt. Silvia wiederum nutzt ihre Bademode nur für den hauseigenen Garten und dort wird nur Tankini getragen, könnten ja schließlich Nachbarn vorbei kommen, die einen sonst im Bikini sehen! Anabel trägt angeblich Bikini weil bei ihr noch alles total straff ist – also das mag schon sein, eine feste Kugel ist schließlich straff. Doch auch wenn ich keinen Wert darauf lege, Anabel im Bikini zu sehen – was mir sehr wohl passieren könnte – ich kann sie verstehen. Sie macht das auch nicht anders wie ich und die anderen Seebesucher. Ich will es am See angenehm haben. Der Bikini muss passen, damit ich ihn nicht beim Schwimmen verliere und wie ich dabei aussehe ist echt egal. Mittlerweile!

Früher habe ich sehr viel Zeit darauf verwendet nur nicht zu viel von meinem Körper in der Öffentlichkeit zu zeigen, doch das ist keine Frage der Figur, sondern nur des Selbstwertgefühls. Und davon wieviel Wert man auf die Meinung anderer legt. Wenn ich mich so an meinem See umsehe, sehe ich keine perfekten Körper. Die Menschen haben durch die Bank ihre körperlichen Makel, doch es kümmert sie nicht weiter. Sie laufen trotzdem fast nackt in der Öffentlichkeit rum und erfreuen sich ihres Lebens. Und das ist gut so. Wie wir ja wissen, kann man es sowieso nicht jedem recht machen. Als ich Margit und Silvia erzählte dass ich ebenfalls nur Bikinis haben, haben sie verstohlen die Nase gerümpft. Und? Weiter? Die beiden haben eine schlechtere Figur wie ich und kommen noch nicht mal bis zu einem See. Ich dagegen tue was ich will und mache mir keine Gedanken darüber ob jemand ein Problem mit meiner Figur hat.

Wahrscheinlich hätte ich darüber gar nie nachgedacht, wenn nicht im Büro das Thema aufgekommen wäre. Am See habe ich noch nie das Gefühl gehabt, dass mich jemand mustert oder sich über meine Figur Gedanken macht. Dort ist jeder so mit sich selbst, mit lesen, schlafen, schwimmen, etc. beschäftigt, da wird weder geschaut, noch getuschelt.

© Libellchen, 2015

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