(Un-)Wahrheit – Lebensthema

Ach Gott, es kommt einfach immer und immer wieder. Die erste aufgedeckte Unwahrheit an die ich mich erinnere, kam natürlich von meiner Großmutter. Natürlich deshalb, weil meine Großmutter ihr ganzes Leben, bei so ziemlich allem, gelogen hat. Ich weiß bis heute nicht warum. Hat sie versucht sich zu schützen, weil sie in ihrer grenzenlosen Dummheit, mal wieder etwas verbrochen hatte und versuchte hatte von sich abzulenken? Glaubte sie den ganzen Mist wirklich den sie erzählte? War sie naiv? Dumm? Hinterhältig? Alles zusammen? Wie gesagt, keine Ahnung. Aber ich weiß noch wann ich begann nachzudenken.

Ich war zirka 8 Jahre alt. Verwandte meiner Großmutter waren zu Besuch. Omi deckte auf. Wurstplatte, Käseplatte, Kaffee, Kuchen. Es wurde geplaudert und gegessen. Ich hielt mich ans Essen und beobachten. Die Gespräche verstand ich sowieso nicht. Es wirkte alles total harmonisch und entspannt. Doch kaum waren die Verwandten bei der Tür raus, begann sich Omi über sie auszulassen. Wie sehr er nicht stank – er war Raucher – wie blöd nicht das Mädchen ist, wie ungeschickt nicht der Junge, wie hässlich sie nicht in ihrem Gewand ausschaute und erst die Schuhe! Hast du diese Schuhe gesehen! Ähm, nein, hatte ich nicht. Ich war total verwirrt. Was war passiert? Als sie da waren war alles gut, als sie weg waren, waren sie plötzlich unten durch. Das war meine erste erkannte Lüge, auch wenn ich noch ein wenig brauchte um es richtig zu verstehen. Zu sehr war damals noch der Glaube an die Allmächtigkeit und Allwissenheit an meine Großeltern in mir verankert.

Alle mittlerweile aufgedeckten Lügen meiner Großmutter hier aufzuzählen, würde sicherlich meinen Speicherplatz bei WordPress sprengen, von daher lasse ich es einfach. Doch sie war ja nicht die einzige, die in meinem Leben mir gegenüber die Unwahrheit gesprochen hat. Und es wäre auch alles gar nicht so schlimm, wenn sich die Menschen dabei nicht immer wieder würden erwischen lassen! Ich sage immer, gegen eine gute Lüge habe ich nichts. Doch gut ist eine Lüge nur, wenn sie nicht als solche erkannt wird! Und das können die wenigsten Menschen.

Es gab eine Zeit, da konnte mich eine schlechte Lüge, persönlich beleidigen. Man müsse mich schon für recht dämlich halten, wenn man glaubt, dass ich nicht drauf komme…. Mittlerweile bin ich der Meinung lügende Menschen denken weder darüber nach was sie beim Gegenüber anrichten, noch machen sie sich Gedanken darüber, ob das Gegenüber die Lüge entdecken könnte.

Mittlerweile stelle ich notorische Lügner auch nicht mehr zur Rede – bringt ja auch nichts. Ich höre nur einfach auf, ihnen Dinge zu erzählen oder zu glauben. Mit kleinen harmlosen Notlügen habe ich allerdings kein Problem, die machen das Zusammenleben von Menschen oftmals erst möglich. Doch grundsätzlich gilt bei mir schon „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!“

© Libellchen, 2015

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