Unangenehmes durchziehen

Schon als Kind habe ich gelernt, dass man Dinge tun muss, die man nicht will. Trotz hat bei meinen Großeltern nicht gewirkt. Wenn ich versuchte meinen Willen durchzusetzen, erpressten sie mich emotional. Ob sie denn nicht alles für mich tun würden. Ob es wirklich so schwer für mich sei, mal das zu tun was sie von mir wollten. Wieso ich sie mit meiner Undankbarkeit immer so verletzen müsse. Natürlich gab ich dann nach – Immer. Ich liebte meine Großeltern und stellte so meine Bedürfnisse zurück. Bis ich noch nicht mal trotzig wurde. Ich tat einfach was mir gesagt wurde, ob ich es wollte oder nicht.

Rückblickend kann ich sagen sie haben mich gelinkt. Wir haben NIE etwas getan was ich wollte. Ich musste IMMER tun was sie wollten und ich MUSSTE dankbar für die Dinge sein, die ich gar nicht WOLLTE. Ich will jetzt aber gar nicht jammern. Denn eines haben sie mir dabei auf jeden Fall beigebracht. Ich lernte auch Dinge über mich ergehen zu lassen die ich gar nicht wollte. Ich lernte durchzuhalten und mir meine Highlights zu suchen. Ich lernte das Beste aus jeder Situation zu machen. Wenn ich mal wieder für 2 Monate im Campingwagen festsaß, las ich ein Buch nach dem anderen. Wenn ich gezwungen war mit den alten Leuten am Bankerl zu sitzen, himmelte ich heimlich den Nachbarsjungen an. Ich lernte aus jeder noch so beschissenen Situation was Gutes für mich zu machen.

Das war nicht immer leicht, doch ich konnte es im Laufe der Jahre perfektionieren. Und ich lernte mich selbst zu betrügen. Wenn ich nicht mit den Nachbarskindern spielen durfte, dann redete ich mir ein, dass es besser so sei, da die sowieso doof sind. Ich lernte mich mit meiner Situation zu arrangieren und durchzuhalten bis ich endlich die Möglichkeit bekam es zu ändern. Und als die Möglichkeit sich mir bot, schlug ich zu. Ich änderte mein Leben um 180 Grad und tat plötzlich was ich wollte. Doch eines verlernte ich dabei. Ich verlernte das Leben positiv zu sehen.

Mittlerweile kann ich beides miteinander verbinden. Ich sehe das Leben wieder positiv und wenn doch mal etwas ansteht, was nicht so toll ist, kann ich die alte Gabe wieder hervorholen. Ich kann Situationen durchstehen, auch wenn ich sie nicht toll finde. Ich kann durchhalten, mich durchbeißen, mich anpassen. Heute bin ich dankbar, dass sie mir das beigebracht haben. Denn gerade dieses „durchbeißen“, hat mich beruflich schon sehr oft weiter gebracht. Nicht sofort die Flinte ins Korn zu werfen, ist eine Charaktereigenschaft, die nicht jeder besitzt.

© Libellchen, 2014

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