Ein langer Weg

Vor unserem Ausflug haben wir noch so gescherzt, dass in dem Bus wo ich mitfahre, wir sicher wieder viel Platz haben werden, da die meisten Mitarbeiter in unserer Abteilung ein Problem mit mir haben. Wobei eigentlich haben nur 2 ein Problem mit mir, doch die jammern alle anderen an wie böse ich bin und die glauben das natürlich. Und tatsächlich, Platzmangel herrschte nicht.

Und als wir so herumalberten und wieder mal feststellten wie wenig Freunde ich im Büro habe, wurde mir bewusst, dass es mir total egal ist, was die alle glauben. Ich bin endlich wirklich mit mir im reinen und die Ablehnung anderer interessiert mich überhaupt nicht mehr. Wow. Vom kleinen Hascherl dass um die Zuneigung anderer bettelte ist eine selbstbewusste Frau geworden, die sich sogar darüber freut, dass das Jammervolk nicht mit ihr spricht! Ich habe die Zeiträuber angebracht. Ich habe die Jammerlappen angebracht. Ich bin frei meine Arbeit zu tun und muss mich jeden Tag mit den vermeintlichen Wehwehchen anderer herumschlagen! Wie geil ist das denn? Und wann ist das passiert?

Ich habe jahrzehntelang um die Zuneigung meiner Umgebung gebuhlt – und sie nicht erhalten.
Ich habe versucht mich anzupassen um dem Mobbing in der Schule zu entgehen – was nicht funktioniert hat.
Ich habe versucht mir selbst einzureden, dass es mich nicht juckt, wenn andere über mich herziehen – um so schnell wie möglich am nächsten Klo zu verschwinden um eine Runde zu heulen.
Ich habe so getan als wäre ich stark – und meine Schwäche einfach versteckt.

Und plötzlich ist alles anders.

Ich weiß was der Großteil der Mitarbeiter in unserer Abteilung von mir halten – aber es juckt mich nicht mehr.
Ich weiß dass sie über mich reden – aber wen interessiert es?
Ich habe nicht viele Freunde – und? Die die ich habe sind dafür richtig gute!
Ich bin mit mir und meinem Körper zufrieden – ja ich habe immer noch das eine oder andere Kilo zu viel, aber ich habe auch 32 weniger, diesen Erfolg kann niemand schmälern!

Und bei all diesen Überlegungen ist mir auch aufgefallen, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke was andere Menschen wohl von mir denken mögen. Dabei gab es eine Zeit wo ich über nichts anderes nachgedacht habe. Früher war mein Denkansatz „Was kann ich noch tun, damit mich die Menschen mögen“ heute denke ich „Wenn du meine Freundschaft oder meine Anerkennung willst, dann musst du dich anstrengen“. Ich brauche die Bestätigung meiner Umgebung nicht mehr um mich in meiner Haut wohl zu fühlen. Natürlich freue ich mich über ein Lob von meinem Chef, aber was Menschen über mich denken die im Arbeitsgefüge unter mir stehen, tangiert mich mittlerweile noch nicht mal mehr peripher!

Ach ist das toll! Ich muss mir mein Leben mittlerweile nicht mehr schönreden – es ist schön!

© Libellchen, 2014

4 Kommentare zu “Ein langer Weg

  1. Nicht immer ist der alte Freiherr von Knigge heute noch passend, aber das zum Beispiel stimmt:
    „Achte dich selbst, wenn du willst, dass andere dich achten sollen!“ — Adolph Freiherr Knigge
    Liebe Grüße,
    Marlis

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