(Nach-)Denken

Letztens gab es da von mir einen Blogbeitrag über zuerst reden, dann denken. Und dieser Blogbeitrag führte zu einigen Kommentaren, die mich wiederum zum Nachdenken brachten. Ja so bin ich. Wenn mir jemand etwas sagt/schreibt, denke ich darüber nach. Das macht mir keine Mühe, das geschieht automatisch. Mein Kopf ist den ganzen Tag am arbeiten. Den muss ich nicht ein- und ausschalten. Und er ist auch sehr schnell. Ich kann denken bevor ich rede, aber auch währenddessen. In spannenden Diskussionen kann ich während des Sprechens umdenken, wenn ein Argument einen Gedankengang anstößt. Für mich ist das nichts besonderes, so bin ich.

Natürlich weiß ich dass dies nicht jeder kann – auch wenn ich einige Menschen kenne, die da genauso ticken und mit denen ich spannende Gespräche führen kann. Wobei ich das eigentlich nie voraussetze – also schnell denken. Thomas ist zum Beispiel jemand, der über gesagtes in Ruhe nachdenkt und dann antwortet. Da warte ich auch brav bis er mit seinem Gedankengang fertig ist und mir seine Antwort gibt – damit habe ich überhaupt kein Problem. Womit ich allerdings schon meine Probleme habe ist, wenn Menschen nicht denken. Weder vorher, noch währenddessen, ja noch nicht mal nachher.

Eine Kommentatorin meinte sie finde die Beispiele in meinem Blogbeitrag haben nichts mit denken zu tun. Nun, ich sehe das anders. Ich möchte auch ausführen warum und zwar mit Hilfe meiner Gedankengänge.

Beispiel 1: Wenn mir zweimal innerhalb kürzester Zeit der Blutdruck gemessen wird, einmal mit einem neuen und einmal mit einem alten Gerät und die Werte extrem differieren würden, würde ich herausfinden wollen, wie die zwei Geräte arbeiten! Mir wäre das suspekt und ich würde herausfinden wollen woran es liegt. Ich würde mich nicht hinstellen und sagen. Ach, das alte Gerät hat die besseren Werte, das passt ja, weil alles neumodische Zeugs ist ja sowieso ein Klumpert!

Beispiel 2: Wenn ich in einer Wohnung einen Vorhang zur Seite ziehen will – was ich eher nicht tun würde – und es nicht funktioniert und ich im ersten Ansatz sagen würde das die Halterung blöd ist – was ich nicht sagen würde – und mir der Hausherr oder die Hausherrin sagen würde „Man muss nur wissen wie…“, dann würde ich darüber nachdenken ob ich vielleicht etwas falsch mache. Ich würde niemals das Wort desjenigen anzweifeln der da wohnt – schließlich kann ich ja davon ausgehen, dass der Hausherr oder die Hausherrin wissen ob die Halterung blöd ist oder nicht. Und es ist ja nicht so, als könnte man das nicht vor Ort demonstrieren! Also da noch mal widersprechen ist total gedankenlos. Was uns direkt zu Beispiel Nummer 3 führt!

Beispiel 3: Wenn jemand sagt dass der neue Fernseher doppelt so groß ist wie der alte. Wieso sagt da jemand „Blödsinn“ dazu. Zum einen steht der alte Fernseher nebenan, wo er offensichtlich auf der Suche nach Mängeln übersehen worden ist – weil er so klein ist? Wenn ich nicht mehr wüsste wie groß oder klein der alte Fernseher ist, weil es halt schon 6 Jahre her war, wo ich ihn zuletzt gesehen habe und mir die Aussage doppelt so groß, übertrieben vorkommt, dann würde ich das entsprechend kommunizieren. Ich würde nicht sagen „Blödsinn, der alte war ja gar nicht sooooo klein“. So formuliert ist es eine Tatsache. Ich würde eher sagen „Ich kann mich gar nicht erinnern dass der alte Fernseher sooooo klein ist.“ Doch auf die Idee, dass es an ihrer Erinnerung liegt kommt sie nicht, weil sie gar nicht darüber nachdenkt, warum meine Worte von ihrer Erinnerung abweichen. Sie denkt nicht darüber nach, warum ich das so formuliere, obwohl sie mich schon lange genug kennt und wissen müsste, dass ich nur dann etwas als Tatsache formuliere, wenn ich mir ganz sicher bin. Was wiederum dazu führt, dass sie mal über mich hätte nachdenken müssen in den letzten 8 Jahren.

Beispiel 4: Man kann über die Höhe der Strafe sicher stundenlang diskutieren. Unser Rechtsstaat hat sicher viele Macken und Ungerechtigkeiten. Doch es ist gut dass wir ihn haben. Über eine Diskussion über die Höhe sind wir gar nicht gekommen. Es ging einfach nur um ihre Aussage „12 Monate Gefängnis sind keine Strafe.“ Und als ich sie fragte wie sie das meint, kam nicht wirklich viel. Ich forderte sie auf zu denken und alles was kam war „Kraftkammer und Fernseher“. Also bohrte ich weiter, ich versuchte sie dazu zu bringen darüber nachzudenken was sie empfinden würde wenn sie 12 Monte eingesperrt wäre. Doch so einfach war das nicht. Sie kann sich offensichtlich nicht so leicht etwas vorstellen. Und als ich es doch schaffte kam nur ein „Na, aber ich stelle ja auch nichts an.“ Was mit ihrer ursprünglichen Aussage überhaupt nichts zu tun hatte! Und als ich das sagte, wurde sie ungehalten. Ich weiß schon wie das ist wenn einem jemand vor Augen führt, dass man Blödsinn redet. Das hatte ich als Jugendliche oft genug. Doch das war mir damals so unangenehm, dass ich es änderte. Sie ist über 40 und hat es immer noch nicht gelernt. Nun, das ist ihre Sache. Mir wäre es ja zu blöd, wenn jedes Mal wenn ich etwas sage, mein Gegenüber mit Leichtigkeit meine Worte zerpflückt. Ich würde wahrscheinlich solche Gespräche vermeiden und meinen Mund halten. Doch dazu müsste ich wiederum darüber nachdenken, was mich stört, warum es mich stört und wie ich es ändern könnte.

Wie gehe ich also hinkünftig mit ihr um? So wie bisher. Wenn ich lache, fühlt sie sich bestärkt und es kommt noch mehr Blödsinn. Sarkasmus wird als Zustimmung verstanden und es kommt noch mehr Blödsinn. Ihr sagen dass sie Blödsinn spricht, kann ich nicht, da steht mir meine Harmoniesucht im Weg. Also bleibt mir nur das, was ich sowieso schon mache. Ich stelle ihre Worte auch in Zukunft in Frage. Vielleicht schafft sie es ja in den nächsten Jahren doch noch, dass sie über gewisse Aussagen zuerst nachdenkt bevor sie sie macht. Und wenn nicht, gehe ich ihr hoffentlich genug auf die Nerven, dass sie die blöden Meldungen zumindest reduziert. Und hier im Blog geht mir auch nie der Stoff für Blogbeiträge aus… 🙂

© Libellchen, 2014

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