Genervt

Es ist Sonntag 6 Uhr 30 morgens. Ich muss eine Entscheidung treffen und weiß nicht was ich tun soll? Berg oder See? Wieso das so schwer ist? Weil es eigentlich eine Entscheidung für oder gegen Wolfgang ist. Wir wollten heute eigentlich wandern gehen. Das hatten wir vorigen Sonntag vereinbart, doch seitdem ist sehr viel passiert!

Am Montag rief er mich an und wollte wissen wie es mir geht. Am Dienstag war Ruhe. Am Mittwoch wollte er dass ich vorbei komme. Da kam dann das Angebot zum Sex, was ich dankend ablehnte. Am Donnerstag rief er mich dann wieder an – war noch das angenehmste Gespräch diese Woche! Am Freitag kamen dann Nachrichten über Facebook, genauso wie am Samstagmorgen, bis ich den PC abdrehte und auf den See ging – was ich auch kommunizierte. Am Samstagnachmittag als ich gerade schwimmen war, rief er an. Natürlich habe ich nicht abgehoben, hab das Handy beim schwimmen eigentlich nie mit. Also rief ich am Abend zurück. Da war dann er beschäftigt und rief mich dann kurz vor 22 Uhr zurück. Ich war gerade auf dem Weg ins Bett und habe eigentlich nur abgehoben, weil ich dachte es gehe um das wandern am Sonntag.

Was auch der Grund für den Anruf war, leider blieb es nicht dabei. Als erstes sagte er mir, dass er erst später könne. Was insofern ein „Problem“ war, da er meinte er wolle auf den Schneeberg. Wenn ich aber erst um halb 10 von Wien wegfahre und erst gegen 11 Uhr beim Schneeberg bin, bringt das überhaupt gar nichts. Was er nicht ganz verstand. Weil „dann kommen wir halt später heim“. Mein Einwand, dass ich das nicht will, da ich am Montag um 5 Uhr wieder den Wecker habe, wollte er nicht verstehen. Er habe damit kein Problem. Ja schon möglich, ich aber schon! Dieser Einwand führte zu einer „Mach dir nicht so viele Regeln, sondern genieße deine Freiheit“-Diskussion. Da es bereits nach 22 Uhr war und ich eigentlich ins Bett wollte, versuchte ich das Gespräch abzuwürgen, mit dem Hinweis, ich würde mir in der Früh was einfallen lassen. Was ihn wieder dazu veranlasste mir zu erklären, dass er gar nicht einsehe warum ich alles bestimme. Na dann sag doch du, war meine Antwort. Und was kam, das von ihm bereits bekannte „Mir ist das egal, ich bin ja spontan!“ Ja schön. Und wenn ich mir nicht was einfallen lasse, machen wir dann gar nichts, oder was? Er geht auch hundertmal denselben Weg in Mödling. Wenn ich das nicht will, muss ich mir was überlegen. Wenn ich mir was überlege, passt es ihm aber nicht wirklich, weil ich ja immer alles entscheide.

Ganz ehrlich das Gespräch hätte mich auch genervt wenn ich nicht schon hundemüde war und ins Bett wollte. Doch diesen Einwand überhörte er geflissentlich „Das sollten wir schon ausdiskutieren. Schließlich finden Menschen nur durch Diskussionen zueinander!“ Wie jetzt? Also ich könnte mich nicht erinnern, dass ich mit Aretha unsere Freundschaft ausdiskutiert hätte. Im Gegenteil unsere Freundschaft fußt auf Rücksichtnahme und Akzeptanz. 2 Dinge mit denen er augenscheinlich ein Problem hat. Akzeptanz funktioniert gar nicht, weil so wie ich mir mein Leben eingerichtet habe „ist es nämlich der falsche Weg“. So funktioniert das Leben einfach nicht. Mein Einwand, dass mein Leben für mich sehr gut funktioniert, den wollte er einfach nicht gelten lassen – ich mache mir nämlich einfach nur was vor. Sagt mir der Mann, der einen Haufen Probleme mit sich rumschleppt. Rücksichtnahme funktioniert bei ihm schon, allerdings will er das die ganze Zeit bereden. Weil er könnte ja schneller und höher rauf, wenn er nicht Rücksicht auf mich nehmen müsste. „Wolfgang du musst keine Rücksicht auf mich nehmen. Du hast die Wahl, entweder willst du mit mir wandern oder du willst schnell und hoch hinaus, dann geh einfach ohne mich. Ist ganz einfach. Sag einfach was du machen willst.“ Der Ansatz passte ihm natürlich auch nicht. Er will mit mir schneller und höher. Sicher nicht bei 34 Grad und Sonnenschein. Auch das ist nicht nachvollziehbar für ihn, weil ihm macht das nichts aus. „Mir aber schon!!!!“ Mittlerweile hatten wir es schon 22 Uhr 30 und ich versuchte erneut das Gespräch zu beenden.

Was ich davon halte wenn er mir den Druck rausnimmt eine Entscheidung zu treffen, indem wir einfach losfahren und dann einfach schauen wo wir landen. Also das geht gar nicht!!! Wenn ich wandern gehen will, will ich wandern und nicht stundenlang im Auto etwas suchen – schon gar nicht wenn ich fahre. Das nimmt mir keinen Druck, das macht mir welchen. Ich will zumindest wissen wo wir weggehen. Beim wandern selbst ist es mir dann egal ob wir rechts oder links gehen, aber spät wegfahren, nicht wissen wohin und warten dass einem etwas einfällt, interessiert mich gar nicht. Sein Einwand „Wenn man mit jemand unterwegs ist, den man mag, dann ist es ja trotzdem lustig“ verstand ich wohl, allein er gehört im Moment nicht zu der Gruppe Menschen. Nicht nach dem gestrigen Gespräch. Die Vorstellung mit ihm im Auto gefangen zu sein und nicht zu wissen wohin, macht mich nachhaltig unrund. Tja, danke Wolfgang. Dank dir weiß ich jetzt, dass der intelligente, klavierspielende Wanderer auch nicht das gelbe vom Ei sein muss.

Um 23 Uhr 15 schaffte ich es – bereits sehr unhöflich – das Gespräch doch noch zu beenden. Als ich um 5 Uhr heute Morgen erwachte, schoss mir sofort das gestrige Gespräch in den Kopf und ich war davon so genervt, dass ich nicht mehr einschlafen konnte. Man kann also sagen, er raubt mir den Schlaf. Allerdings nicht auf die angenehme Art. Ich weiß jetzt, dass ich mit ihm definitiv keine Beziehung führen kann bzw. will – er versucht mich ja diesbezüglich immer zu vertrösten. Eine Freundschaft wird sicher auch schwierig wenn er nicht lernt meine Grenzen – die ich mir hart erarbeitet habe und die er für Schwachsinn hält – zu akzeptieren. Menschen denen ich immer wieder sagen muss bis hierhin und nicht weiter, nerven mich nämlich früher oder später so, dass ich sie lieber ganz ziehen lasse. Bleibt das wandern. Doch auch hier brauche ich ein gewisses gegenseitiges Verständnis. Er will in die Natur und wenn es immer derselbe Weg ist, ist es ihm auch egal. Ich will so viele schöne Plätze wie möglich erkunden. Wenn es ihm aber – laut eigenen Angaben – egal ist, wo wir gehen, wieso hat er dann ein Problem wenn ich etwas aussuche? Ich denke er ist noch lange nicht bereit für mich. Er ist im Moment in seinem ganzen Leben total planlos – ich nicht. Ich habe mir mein Leben eingerichtet und bin nicht bereit, es für einen Wanderkumpel umzukrempeln. Das passt ihm aber offensichtlich nicht. Nun, das ist aber sein Problem.

Was nicht meine Eingangsfrage beantwortet. Was mache ich heute? Wenn es ihn nicht gäbe, würde ich heute definitiv zum See gehen. Bei 34 Grad bin ich alleine noch nie gewandert. Es war ein Zugeständnis an unsere beginnende Wanderverbindung. Doch nach gestern ist mir der Nerv für Zugeständnisse definitiv vergangen – musste ich gestern wegen ihm schon meinen Schlaf um 1 ½ Stunden verschieben. Im Moment stellt er sich eher als Energyräuber dar. Und von denen habe ich genug im Büro, da brauche ich nicht auch noch am Wochenende welche. Schau ma mal….

© Libellchen, 2014

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