Drehbuch der Liebe – Teil 31

Kapitel 3 – Zurück in Australien

Zurück am Set erwartete mich eine angepisste Cynthia. Sie hatte die Fotos von Camilla und mir gesehen und nun war sie sauer. Hatte sie echt gedacht zwischen uns könnte sich etwas entwickeln? Offensichtlich. Ich hatte deswegen aber kein schlechtes Gewissen. Ich hatte mir nichts vorzuwerfen. Hatte sie nie ermuntert und immer auf Distanz gehalten. Und im Großen und Ganzen war ich ganz froh darüber, dass sie nun nur mehr das notwendigste mit mir sprach. So hatte ich am Set meine Ruhe und konnte mich auf die Arbeit konzentrieren.

Und so ging es Tag für Tag. Aufstehen, arbeiten, essen, arbeiten, essen, schlafen. Die Highlights waren wie auch schon die letzten 3 Monate, die Telefonate mit Dina. Und die hatten sich verändert. Sie wirkte gelöster, entspannter, offener. Und so waren auch unsere Gespräche. Zum einen sprachen wir lockerer miteinander, zum anderen spürte ich die größere Verbundenheit zwischen uns. Sie erzählte von ihrem Buch und ich von meiner Arbeit. Und ich erzählte ihr von Cynthia. Vor meinem Abendessen mit Camilla, war ich der Ansicht gewesen, nicht über die Gerüchte reden zu müssen, da sowieso klar war, dass es nur Gerüchte seien. Doch da mir Camilla erzählt hatte, wie viele Gedanken sich Dina darüber gemacht hatte, beschloss ich ganz offen über alles zu reden. Und ich merkte, dass diese neue Offenheit von mir, sehr gut ankam. Sie erzählte mir auch viel mehr von ihrem Bürojob und ihren Kollegen. Ich bekam schön langsam ein Bild von ihrem Leben.

Und wir sprachen über den Erfolg unseres gemeinsamen Projektes. In Amerika war der Film ein Kassenschlager. Die Frauen liebten die Story und rannten scharenweise in die Kinos. In Europa würde er in der nächsten Woche starten. Wenn dies so weiter ginge, würde Dina bald noch mehr Geld bekommen. Den 2. Teil ihres Gehaltes hatte sie anstandslos von der Produktionsfirma erhalten. Sie war auf dem Weg zu der finanziellen Selbständigkeit, die auch unserem gemeinsamen Leben den Weg ebnen würde. Ich freute mich also doppelt über den Erfolg des Filmes in den Kinos. Zum einen war meine Performance offensichtlich gut gewesen und Dina könnte sich hoffentlich bald von ihrem tristen Job verabschieden.

Diese Gespräche mit Dina gaben mir sehr viel Kraft und ließen die Zeit auch viel schneller vergehen. Als es nur noch 2 Monate bis zu unserem Wiedersehen waren, bekam ich ein neues Jobangebot. Ich sollte einen an Krebs erkrankten Mann kurz vor seinem Tod spielen. Dem Drehbuch nach, war es einer jener Filme, wofür man für den Oscar nominiert werden würde. Doch wenn ich den Job annehmen wollte, könnte ich Dina nicht wiedersehen. Also sagte ich ab. Für mich war mein ganzes Leben als Erwachsener, im Dienste meines Jobs gestanden. Ich hatte immer alles untergeordnet. Doch diesmal ging das nicht. Die Sehnsucht nach ihr war stärker, als mein Wille möglicherweise einen Oscar zu bekommen. Außerdem war ich noch jung und könnte noch viele Rollen spielen, für die ich möglicherweise ausgezeichnet werden würde. Doch zuerst musste ich mein Privatleben regeln. Ich brauchte sie an meiner Seite. Daran führte kein Weg vorbei. Mit jedem Telefonat wurde mir das mehr bewusst. Je mehr ich von ihr erfuhr, je mehr sie sich öffnete, desto mehr liebte ich sie. Sie war so ein warmherziger, hilfsbereiter, herzlicher Mensch. Ich würde ihre Gefühle nicht meinem Ego opfern. Niemals. Deshalb sagte ich ab. Mein Agent wollte mich deswegen einliefern lassen. Er meinte, ich wäre durchgedreht. Natürlich wusste er nichts von meinen Beweggründen. Doch selbst wenn er sie gekannt hätte, hätte er mich nicht verstanden. Dina erzählte ich von dem Jobangebot nichts, es gab viel Wichtigeres zu besprechen.

Je näher das Drehende kam, desto glücklicher wurde ich. Einzig Cynthia nervte wieder. Sie wollte offensichtlich die letzten Tage noch nutzen um mich rumzukriegen. Ich ging ihr, so weit dies möglich war, aus dem Weg. Ich wollte mich einfach nicht mehr als notwendig mit ihr abgeben. Natürlich hatten wir auch wieder ein paar Interviews zu absolvieren und dabei waren wir meistens beide zugegen. Dabei ließ sie keine Gelegenheit aus, Andeutungen zu machen, dass zwischen uns mehr als Freundschaft sei. Ich warnte Dina vor und konnte so schlimmeres verhindern. Cynthia war echt eine Plage.

© Libellchen, 2014

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2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 31

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