Abwechslungsreich

Ich hatte schon viele unterschiedliche Phasen in meinem Leben. Als Kind konnte ich mich den ganzen Tag damit beschäftigen ein Buch zu lesen oder ein Puzzle zusammen zu bauen. Als Jugendliche hatte ich meine Partyphase und war so gut wie nie zu Hause. Als junge Erwachsene stürzte ich mich in die Arbeit und die Wochenenden verbrachte ich mit Party machen.

Dann begannen meinen ersten ernsthaften Beziehungen und ich verbrachte mehr Zeit zu Hause. Vor allem während meiner Zeit mit dem „Ex“ war ich fast immer zu Hause. Er war nicht so der Partytyp und ich passte mich an. Damals wollte ich in meine Zukunft investieren. Ich hatte eine zeitlang wirklich geglaubt, dass er der Richtige wäre um eine Familie zu gründen. Als das vorbei und der Schmerz des Verrates sehr tief saß, kam noch mal eine Partyphase.

Doch allmählich wurde ich ruhiger. Ich wollte mich nicht mehr nächtelang herum treiben, auf der Suche nach einem Partner. Andererseits wenn man nicht fort geht, woher soll dann ein zukünftiger Partner kommen? Wenn man immer zu Hause ist, wo soll er einem über den Weg laufen? Na gut, der süße Typ schaffte es und eine ganz neue Phase begann. Heimliche Treffen unter der Woche, ausschlafen am Wochenende.

Ich lebte von einem Treffen zum nächsten. Die Zeit dazwischen war für den Haushalt da. Alles richtete sich nach ihm. Wie schon so oft zuvor, passte ich mich der Situation an. Und als es vorbei war, war ich so tief gefallen, dass ich nicht mal mehr wusste, was ich eigentlich wollte. Also begann ich es herauszufinden. Und wo fand ich mich wieder? In der Natur, mit Musik und meinen Büchern. Ich war wieder dort, wo ich schon als Kind war. Das bin wirklich ich. Das macht mich glücklich. Doch auf meiner Couch mit meinem Buch, werde ich niemand kennen lernen. Und einsam im Wald stehen die Chancen auch eher gering.

Doch ich war glücklich. Natürlich wünsche ich mir einen Partner, doch wenn ich die Wahl habe alleine und glücklich oder gezwungen unterwegs, unglücklich und wahrscheinlich trotzdem erfolglos, bleibe ich lieber zu Hause.

Das Problem ist, wenn man mit dem glücklich ist, was man hat, strebt man irgendwie nicht mehr nach mehr. Also versumpfte ich auf meiner Couch. Ich merkte selbst, dass ich zwar ewig so weiter machen könnte, doch ich hatte das Gefühl, mein einziges Leben irgendwie zu verschwenden. Mir ging es zwar gut, doch die Tage strichen ereignislos an mir vorüber. Also begann ich mich dazu zu zwingen, mehr zu unternehmen. Ja, ich musste mich regelrecht dazu zwingen. Doch es hat gefruchtet.

Mittlerweile bin ich nicht mehr nur auf meiner Couch. Ich gehe mit Kollegen ins Kino und hin und wieder Essen. Ich treffe mich mit Freunden und meiner Familie. Ich merke dass mich mein bequemes Leben immer wieder reizt, doch ich kämpfe dagegen an. Mir ist klar, dass dies auch viel mit dem Winter zu tun hat. Im Sommer wäre ich in der Sonne, am See oder am Berg. Doch bei dem trüben Wetter habe ich irgendwie keine Lust auf irgendetwas. Doch ich überwinde mich, immer wieder aufs Neue. Und im Nachhinein bin ich froh, wenn ich mich mal wieder überwunden habe.

© Libellchen, 2014

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