Drehbuch der Liebe – Teil 20

Ich hatte zu weinen aufgehört. Was für eine Ansprache! Offensichtlich hatte er sich bereits den einen oder anderen Gedanken über die Situation gemacht. Ich konnte ihn zwar verstehen, doch ein Mysterium blieb trotzdem noch.
„Warum ich? Du kannst so viele tolle Frauen haben. Was willst du von mir? Ich bin so ganz anders als all diese hübschen, reiche Frauen!“
„Genau deswegen! Wobei ich die Frauen die du meinst, nicht hübscher finde. Genau weil du ganz anders bist, bist du mir aufgefallen. Du bist natürlich. Du bist weich. Du bist warm. Du bist echt. Gerade dieses anders sein, zieht mich zu dir hin!“ Ich verstand es immer noch nicht, doch seine Augen blickten mich offen und ehrlich an. Er meinte es genau so wie er es sagte. Also atmete ich durch. Hörbar. Was ihm ein Lachen entlockte.
„Komm steh auf!“ Ich tat wie mir geheißen und er umarmte mich. Hielt mich fest und ich beruhigte mich. Ich konnte fühlen, dass er alles was er gesagt hatte, auch so gemeint hatte. Natürlich wusste ich immer noch nicht, wo das alles hinführen würde, doch zumindest hatte er durchblicken lassen, dass er unsere Freundschaft auf jeden Fall behalten wollte. Er würde mir zwar trotzdem das Herz brechen, doch ich wusste ich würde es trotzdem riskieren. Ich war in derselben Situation, wie schon zuvor bei meinem Ex. Ich sah das Tränenmeer kommen, doch ich konnte nicht ausweichen. Ich wollte, wenn ich mal alt bin nicht bereuen müssen, eine Chance verpasst zu haben. Und so konnte ich mich gar nicht anders entscheiden, als es zu riskieren. Ich musste jede Sekunde mit ihm, die er mir bot, voll auskosten. Jede Berührung, jeden Blick, jede Minute des Glückes mit nehmen auf dem Lebensweg. Weinen konnte ich auch noch, wenn ich wieder zu Hause war. Hier und jetzt zu heulen, war einfach ein Schwachsinn. Gerade weil wir keine gemeinsame Zukunft hatten, sollten wir die Gegenwart umso mehr genießen!

„Okay! Jetzt kann ich was essen!“ Ich löste mich aus seiner Umarmung und setzte mich an den Tisch. Und tatsächlich. Das flaue Gefühl war verschwunden. Während ich zu essen begann, blickte er mich noch immer vorsichtig an.
„Okay?“
„Ja, okay! Was hast du für heute geplant?“ Bei dieser Frage grinste ich ihn anzüglich an. Wenn schon, denn schon. Und er verstand den Wink.
„Naja, ich bin ein wenig müde und verletzt bin ich auch. Schätze ich sollte dann wieder ins Bett gehen.“
„Oh du Armer! Soll ich dir vielleicht Gesellschaft leisten?“

Die nächste Woche verbrachten wir mehr oder weniger durchgehend im Bett. Wir probierten alles aus wonach uns war. Wir fanden die erogenen Zonen des anderen, jene Stellungen welche uns die größte Lust bereiteten und hielten uns in den Armen wenn wir gerade keinen Sex hatten. Es war eine sehr intensive Woche. Ich holte 3 sexlose Jahre nach und wurde nicht müde ihn zu berühren. Ich kannte das schon. Es ging nicht nur um Sex, sondern auch um Nähe. Wir kamen uns auch emotional immer näher. Und ich verdrängte das Damoklesschwert über meiner Seele. Hier in Kanada würde nichts passieren. Hier in Kanada konnte ich es voll auskosten.

Nach einer Woche im Bett, fuhren wir mal wieder in den Ort. Zum einen brauchten wir Vorräte, zum anderen mussten wir Bettwäsche waschen. Und so verließen wir das Bett und stellten uns der Zivilisation. Jimmy der Ladenbesitzer, merkte sofort dass sich zwischen uns etwas verändert hatte. Er gratulierte Aksel endlich eine normale Frau gefunden zu haben. Ich und normal? Hätte ich jetzt nicht von mir behauptet. Doch ich wusste wie er es meinte und so klang es wie ein Kompliment für mich. Durchschnitt zu sein, war plötzlich von Vorteil. Aksel, der ein Problem mit den künstlichen Schönheiten in L.A. hatte, mochte vor allem meine Schönheitsmakel besonders an mir. Mein riesiges Muttermal am Hals hatte es ihm dabei besonders angetan. Er meinte gerade diese Abweichungen von der Norm, machten mich so besonders. Und ich glaubte ihm. Ich bin sehr feinfühlig und konnte schon immer spüren wenn mich jemand anlog oder mir etwas verheimlichte. Es war so etwas wie meine ganz spezielle Gabe. Allerdings hatte ich in der Vergangenheit nie mit Schauspielern zu tun gehabt. Die mussten sich besonders gut verstellen können, vor allem wenn sie gut waren. Und Aksel beherrschte sein Handwerk. Gut genug um mich zu täuschen? Ich wollte nicht daran glauben, aber eine Spur Restzweifel blieben. Andererseits wollte ich seinen Worten auch glauben.

© Libellchen, 2014

zu Teil 19….

zu Teil 21….

2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 20

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