Für die eigenen Überzeugungen sterben

Hin und wieder passiert es. Ein einzelner Satz, der eine Diskussion auslöst. Ist es verwerflich nicht für seine Überzeugungen sterben zu wollen? Wenn es nach einem ganz lieben, aber auch ein wenig aufgeregten Kollegen geht, dann ja. Ich habe mal wieder, wie so oft, widersprochen. Ich nehme nämlich immer öfter die Stimme der Vernunft und des Mittelweges ein. Meine Kollegen können sich immer so furchtbar über alles Mögliche aufregen, bis es nur noch schwarz oder weiß, gibt. Entweder ist man ihrer Meinung, oder man ist gegen sie. Doch da spiele ich nicht mit. Ich vertrete immer öfter den grauen Weg. Den Kompromiss. Den toleranten Ansatz. Den großzügigen Ansatz gegenüber anderen Menschen und Lebensformen.

Ich muss nicht alles mögen um es tolerieren zu können. Das ist eine Einstellung mit der ich immer wieder meine teilweise sehr verbohrten Kollegen zum wanken bringe. Aber zurück zu den Überzeugungen. Ich habe auch welche. Und ich vertrete sie auch. Ich stehe dazu. Ich kommuniziere auch immer öfter, wenn mir etwas nicht passt. Doch würde ich auch dafür STERBEN? Wohl kaum! Und jeder der auch nur den Hauch einer Ahnung der menschlichen Natur hat, weiß dass ich Recht habe. Der Mensch hat einen Überlebenstrieb. Wenn unser Leben bedroht wird, dann kämpfen wir um zu überleben. Das ist ein Urinstinkt, der in jedem von uns steckt. Den wir in unser DNA programmiert haben.

Natürlich gehe ich davon aus, dass mein Kollegen nicht wirklich sterben gemeint hat. Doch wenn man schon so plakative Formulierungen verwendet, dann darf man sich nicht wundern, wenn jemand wie ich darauf herum hackt – mir fällt immer öfter auf, dass ich falsche Formulierungen zerlege, eine Eigenschaft die mit dem Schreiben kam!

Worum ging es wirklich. Es ging darum dass ein Kollege von uns zwar Überzeugungen hat, diese allerdings im täglichen beruflichen Alltag nicht lebt. Nun, dass mache ich auch nicht. Kann ich gar nicht, da meine Umfeldbedingungen einfach nicht stimmen. Ich bin ein sehr leistungsorientierter Mensch im öffentlichen Dienst – wer findet das Problem? Wie also könnte ich, oder auch der Kollege um den es ging, seine Überzeugungen leben? Da wo wir sind – gar nicht!!!! Wir müssten uns einen anderen Job suchen. Doch dort würden wir weniger verdienen. Wir verkaufen also unsere Überzeugungen für Geld. Und?

Es ist nur ein Job! Ich definiere mich nicht darüber – genauso wie der Kollege von dem die Rede war. Er bringt seine Leistung im Sport, ich teile meine Energie auf Sport und diesen Blog auf – jeden Tag einen Blogbeitrag verfassen, ist auch so was wie regelmäßige Arbeit. „Arbeit“ die zwar Spaß macht, aber ich muss mich trotzdem regelmäßig hinsetzen und schreiben. Nun, der Kollege der den Diskussionsstein ins Rollen gebracht hat, sieht das anders. Wir müssten halt mehr versuchen um Leistung in die Menschen „reinzuprügeln“. Doch ganz ehrlich das ist mir zu blöd. Ich habe 5 Jahre versucht das Leistungsniveau anzuheben, danach habe ich aufgegeben. Ich war alleine – sie waren 30!!!! Wie soll einer alleine 30 Leute zum arbeiten bringen? Und wozu? Außer mir, schien es niemand zu stören…. Im Gegenteil als ich begann zu versuchen Leistung einzufordern, hatte ich augenblicklich ein Gespräch mit den Personalvertretern – das war mir eine Lehre! Ich bekomme mein Gehalt auch dann, wenn ich mich nur auf meine Arbeit konzentriere. Die mache ich meinen eigenen Leistungsansprüchen gemäß – so perfekt wie möglich.

Doch was die anderen machen, ist deren Angelegenheit. Bei Anabel habe ich es wieder gesehen. Ich habe versucht ihr Leistung abzuverlangen, was nur dazu führte, dass sie zum Chef weinen lief – mit der Verbindungstür als Lösung! Ich kann den Kollegen – der im Dienst nicht für seine Überzeugungen sterben würde – also durchaus verstehen. Was soll er auch sonst machen? Sich aufreiben an den anderen, oder das Beste aus der Situation machen? Er hat sich für denselben Weg entschieden wie ich. Ob das jetzt richtig oder falsch ist, muss jeder für sich entscheiden. Für mich ist es derzeit der richtige Weg, allerdings weiß ich nicht wie ich es in 10 Jahren sehe. Der Unterschied zwischen meinem lieben Kollegen und mir ist, ich kann akzeptieren, dass er weiterhin für seine Überzeugungen kämpfen und „sterben“ will, doch er kann umgekehrt nicht wirklich akzeptieren, dass ich einen für mich angenehmeren Lebensweg gewählt habe!

© Libellchen, 2014

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