Drehbuch der Liebe – Teil 19

„Du solltest was essen!“ Meine Appetitlosigkeit war ihm aufgefallen. Also kaute ich auf einem Bissen Käsebrot rum. Dabei heftete ich meinen Blick auf den Teller und versuchte genug Mut zusammen zu kramen um ihm zu fragen, wie es jetzt weitergehen sollte.
„Was ist mit dir?“ Er hatte zu essen aufgehört und starrte mich an. Mein Blick war zwar noch immer auf meinen Teller geheftet, doch ich konnte seinen Blick spüren.
„Bereust du die letzte Nacht?“ Bereuen? Wieso sollte ich diese Nacht bereuen?
„Nein, natürlich nicht!“ Bei diesen Worten sah ich ihn an und so konnte ich sehen, dass sich seine Miene bei meinen Worten wieder aufhellte. Doch die Falte auf seiner Stirn blieb.
„Was ist es dann?“ Angst alles zu verlieren. Sex macht Beziehungen immer kompliziert. Vor allem weil ich, dank meiner Selbstzweifel, immer schon Problem hatte daran zu glauben, dass mich jemand wollen könnte. Und nachdem ich mit jemand intim geworden war, habe ich in der Vergangenheit immer begonnen darauf zu warten, bis derjenige draufkam, dass ich nichts besonderes, sondern einfach nur Durchschnitt war. Nichts Besonderes. Niemand wegen dem man allen anderen Frauen entsagte. Und jetzt hatte ich mit einem Prominenten geschlafen. Einem der angesagtesten Hollywood-Schauspieler. Wie lange würde er wohl brauchen um seinen Irrtum zu erkennen? Schließlich hatte er tausende von Groupies und war umgeben von den schönsten und reichsten Frauen dieser Welt!
„Sag es mir! Bitte! Dein trauriger Blick macht mich ganz fertig. Ich bin so glücklich. Und du bist es nicht. Und wenn du die Nacht nicht bereust, dann weiß ich nicht, warum du nicht glücklich bist! Außer du hast vielleicht einen Freund. Hast du einen Freund?“
„Nein, ich habe keinen Freund.“
„Dann rede doch endlich! Ich flehe dich an. Mach den Mund auf.“ Bei diesen Worten hatte er sich neben mich gesetzt und meine Hand genommen. Und da fing ich an zu weinen. Und mit den Tränen, kamen auch die Worte.
„Du bist so ein toller Mann. Ich weiß einfach nicht was du von mir wollen könntest. Die Nacht war so unglaublich schön und ich habe Angst, dass du bald merkst wie unbedeutend ich bin. Du kennst so viele tolle Frauen, was also solltest du von mir wollen? Und wenn ich mich jetzt voll drauf einlasse, was ich wirklich gern tun würde und du meiner dann überdrüssig wirst, kannst du mich noch mehr verletzen als mein Ex. Und die Chancen dass sich unsere Wege wieder trennen liegen bei 100 %! Zwischen uns das hat einfach keine Zukunft. Und dann verliere ich womöglich auch noch einen guten Freund. Ich habe einfach Angst, dass mein Herz noch mal bricht und mein bester Freund wieder nicht da ist, weil er genau der ist, der mir das Herz gebrochen hat.“ Ich schluchzte immer noch, doch meine Worte waren versiegt. Ich hatte keine Ahnung ob er mich verstanden hatte. Ich hatte keine Ahnung, ob meine Worte irgendeinen Sinn ergaben. Doch irgendwie war ich erleichtert, dass es nun raus war.
„Du bist total bescheuert!“ Er lachte mich aus. War das ein gutes Zeichen?
„Ich weiß!“ Ich ließ den Kopf hängen und heulte immer noch.
„Schau mich an!“ Ich zwang mich den Kopf zu heben, meine Tränen zu trocknen und ihm in die Augen zu schauen.
„Ich mag dich. Ich genieße die Zeit mit dir. Ich weiß nicht wohin das führt, doch ich will neben dir einschlafen und neben dir aufwachen. Ich will mit dir schlafen. Mit dir kuscheln. Ich weiß nicht für wie lange ich das will. 1 Monat, 1 Jahr, 1 Leben? Aber das weiß man nie! Aber eines weiß ich. Wir müssen uns nicht zu 100% trennen. Ja, wir leben in verschiedenen Welten, doch wenn es darauf ankommt und wir das wollen können wir jeden Abgrund überwinden. Wir sind ein starkes Team. Wir verstehen uns nicht nur im Bett. Wir sind auch Freunde. Und egal was passiert, du wirst immer ein Teil meines Lebens sein. Menschen die mir wichtig sind, haben einen großen Stellenwert in meinem Leben. Sicher wird eine Zeit kommen, wo wir weniger Zeit füreinander haben werden, aber umso wichtiger ist es, dass wir unsere gemeinsame Zeit richtig auskosten. Und dabei meine ich nicht nur Sex!“

© Libellchen, 2014

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2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 19

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