Ist lesen ansteckend?

Für alle die hier regelmäßig mitlesen dürfte es keine Überraschung sein, dass ich eine Leseratte bin. Ich liebe es in Geschichten einzutauchen. Vollständig mit den Darstellern eines Buches und ihrer Geschichte zu verschmelzen. So etwas verstehen allerdings nur andere Leseratten. Menschen die mit lesen nichts am Hut haben, können das nicht nachvollziehen. Zu denen gehörte auch Margit.

Zusätzlich zu meinen Ambitionen bezüglich lesen, bin ich auch noch ein Serienjunkie. Fernsehen ist nicht so meins, aber meine Serien liebe ich. Margit ist genau so. Da konnte sie mich verstehen, was das lesen anbelangt, hatte sie da so ihre Probleme. Am wenigsten konnte sie nachvollziehen, wieso man ein Buch lesen sollte, wenn man schon den/die Filme kannte. Dieses Gespräch hatten wir das erste Mal zwischen „Twilight“ 3 +4 des Filmes. Ich hatte die ersten 3 Filme gesehen und mir die Bücher gekauft und gelesen. Warum? Weil ich wissen wollte wie es weitergeht und nicht warten wollte. So weit verstand sie es ja noch, aber wieso dann auch die ersten 3 Bände lesen?

Weil ich lesen liebe und weil die Bücher meistens besser sind als die Filme – was auch bei „Twilight“ stimmte. Das nächste Gespräch diesbezüglich hatten wir als „Game of Thrones“ ins Fernsehen kam. Ich hatte da bereits alle 10 Bände „Das Lied von Eis und Feuer“ gelesen. Und gerade weil ich die Bücher gelesen hatte, empfahl ich ihr die Serie. Und sie war begeistert. Von der Serie und davon dass ich das gewusst hatte. Naja, wenn man lange genug liest kann man recht gut einschätzen aus welchem Stoff sich ein guter Film bzw. eine gute Serie machen lässt.

Danach verging wieder ein wenig Zeit mit lesen und Serien gucken. Dann kam „Tribute von Panem“ Teil II ins Kino. Da ich danach wissen wollte wie es ausgeht, kaufte ich die Bücher und las die Geschichte einfach fertig. Das ich wusste wie es ausgeht und sie nicht, wurmte Margit so sehr, dass sie tatsächlich die Bücher las. Sie brauchte zwar 100 Mal so lange dafür wie ich, aber ich war trotzdem überrascht, als sie mir eines Tages eröffnete, dass sie fertig war und nun auch wisse wie die Trilogie endet.

Und dann passierte ganz eigenartiges. Wir waren im Kino und sahen „Die Chroniken der Unterwelt“. Der Film gefiel mir recht gut, aber ich merkte auch, dass vieles nur angedeutet war. Dass es da noch viel mehr gab, also suchte ich nach dem Buch und fand heraus, dass es davon bereits 5 gab. Natürlich kaufte und las ich die Bücher, so weit nicht überraschend. Und ich war begeistert. Es war mal wieder so eine spannende Geschichte, wo man richtig schön eintauchen kann. Und dann kam die Hiobsbotschaft für Margit. Die Verfilmung von Teil II steht auf wackligen Beinen und keiner weiß, ob sie weiter drehen. Und ihr gegenüber im Büro sitzt jemand der nicht nur weiß wie der nächste Film geworden wäre, sondern die nächsten 4 Filme. Und ich bin auch noch so böse und erzähle nichts. Warum? Weil ich das selbst nicht mag. Ich mag nicht, wenn mir jemand eine Geschichte erzählt, die ich selbst noch nicht gesehen habe. Wenn also feststehen würde, dass sie nicht weiterdrehen, würde ich ihr den Rest erzählen, aber so……

Also kaufte sie sich die ersten 3 Bände und begann zu lesen. Das erste Buch zog sich ein wenig, da sie ja den Film schon kannte, doch ich hatte ihr gesagt, dass sie es lesen müsse, da sie bei der Verfilmung teilweise sehr weit abgewichen waren von der Buchvorlage – wofür sie sich dann auch bedankte. Ab dem zweiten Buch wurde sie dann schneller. Sie erhöhte das Lesetempo um das doppelte. Und Ende des zweiten Buches beschloss sie auch Teil 4 und 5 zu bestellen – sie war richtig reingekippt in die Geschichte. Und Teil 3 las sie dann in einer Woche – das Buch hat 700 Seiten. Wobei sie am Freitag in der Arbeit noch meinte, sie wisse nicht ob sie am Wochenende alles schaffen würde, da sie noch 400 Seiten vor sich hatte, um mir am Samstag in der Früh eine Nachricht zu schicken, dass sie fertig sei.

Als sie Mitten drin im 3 Buch war, sagte sie etwas zu mir was ich in all den Jahren die ich sie jetzt mittlerweile kenne, nie erwartet hätte „Ich glaube ich kann dich jetzt verstehen. Das Gefühl wissen zu wollen wie es ausgeht. Wenn man beginnt schneller und schneller zu lesen, das Buch richtig zu verschlingen. Das kannte ich bisher nicht. Doch jetzt verstehe ich es.“

Ich gab ihr dann noch etwas mit auf den Weg „Wenn du fertig bist, wenn die letzte Seite fertig gelesen ist, wirst du ein oder zwei Tage brauchen, um dich von den Charakteren zu verabschieden. Du wirst dich emotional von den Büchern distanzieren müssen. Falls du in dieser Zeit das Gefühl bekommst sie nicht gehen lassen zu können. Falls du Sehnsucht bekommst nach den Darstellern – fang einfach wieder von vorne an!“

Und dann sagte sie etwas zu mir, das mir fast ein wenig Angst machte „Ich habe dir doch damals, als du sagtest du hättest die Twilight-Bücher viermal hintereinander gelesen, gesagt dass du nicht ganz dicht bist. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ich glaube ich kann das mittlerweile nachvollziehen – wobei 4Mal ist dann doch heftig.“

Ich glaube ich habe sie infiziert! Mit dem Lesevirus. Dabei war das gar nicht meine Absicht. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass sie dagegen immun sei! Doch offensichtlich habe ich mich da getäuscht!

© Libellchen, 2014

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