Drehbuch der Liebe – Teil 15

Als Aksel eine Viertelstunde nach mir ins Schlafzimmer kam, schlief ich also nicht, sondern bibberte vor mich hin. Was ihm ein total süßes Lächeln entlockte.
„Soll ich dich wärmen?“
„Unbedingt! Ich weiß nicht wie ich bei der Kälte schlafen soll!“ Also schlüpfte er unter die Decke und ich kuschelte mich augenblicklich an ihn. Diesmal ging es mir allerdings nicht um die Nähe, sondern einzig und allein um Wärme.
„Dir würde schneller warm werden, wenn du dein T-Shirt ausziehen würdest!“
„Ich weiß!“ Natürlich wusste ich das. Nackte Körper erwärmen sich schneller. Aber dafür war es mir dann noch nicht kalt genug. Sein nackter Oberkörper und unsere nackten ineinander verschlungenen Beine mussten reichen. Und das taten sie auch. Nach ein paar Minuten wurde mir wärmer und ich begann mich zu entspannen. Und mit der Entspannung, kam der Genuss. Er roch einfach himmlisch. Ich kostete die Situation voll aus und ließ mich fallen.
„Was tust du da?“
„Ich weiß nicht was du meinst?“ Ich wusste es echt nicht.
„Ich dachte du wolltest deine Gefühle für deinen Ex nicht mehr hervorkramen!“
„Hab ich auch nicht. Ich hab noch nicht mal an ihn gedacht!“
„An was hast du dann gedacht?“ Das war jetzt irgendwie blöd. Ich hatte die Situation genossen. Seine Hand auf meinem Rücken. Die Beine ineinander verschlungen. Sein Duft. Aber das konnte ich ihm nicht sagen. Ich entschied mich für eine relativ harmlose, aber ehrliche Antwort.
„Ich fühle mich einfach entspannt und glücklich.“
„Wow. So fühlt sich das also an. Also wenn du los lässt, strahlst du deine Gefühle echt heftig aus. Allerdings dachte ich bisher, das hätte nur etwas mit deinem Ex zu tun.“
„Nein, nein. Der ist seit über einem Jahr gefühlsmäßig kein Thema mehr.“ Schön herumlaviert, Dina. Ehrlich, aber nicht vollständig. Denn glücklich und entspannt fühlte ich mich, weil ich in seinen Armen lag. Doch das zu sagen, hätte ich nicht geschafft. Ich war immer schon schüchtern gewesen, doch bei ihm war es noch viel schlimmer, als jemals zuvor. Ich mochte ihn schon viel zu sehr und hatte Angst dass er auf Distanz gehen würde, wüsste er dass ich ihn verliebt war.
„Das fühlt sich echt gut an.“ Seine Worte kamen schon ein wenig genuschelt aus seinem Mund. Er war am einschlafen und ich würde ihm gleich ins Traumland folgen.

Als ich erwachte, war er weg. Kein morgendliches kuscheln. Vielleicht hatte er doch Verdacht geschöpft und wollte nun auf Abstand gehen? Da es ohne ihn, im Bett wieder kalt geworden war, stand ich schnell auf und verschwand im Bad. Frisch geduscht und warm eingepackt, stiefelte ich nach unten. Der Frühstückstisch war gedeckt und das Feuer im Kamin brannte auch schon wieder. Doch Aksel konnte ich nicht sehen. Dafür hörte ich etwas hinter dem Haus. Ich folgte der akustischen Spur und wurde mit einem herrlichen Bild belohnt. Aksel war am Holz hacken. Ein Bild für Götter! Leider war es zu kalt für eine Oben-ohne-Holz-hack-Session. Doch er machte auch im Holzfällerhemd, wie sowieso in allem, eine gute Figur. Der große Typ mit der Riesenaxt und dem strahlenden Zahnpastalächeln. Würde es ihn nicht geben, man müsste ihn glatt erfinden.
„Ich bin gleich fertig. Könntest du bitte die Eier vom Herd nehmen?“
„Klar doch.“ Es schien alles in Ordnung zu sein. Er verhielt sich mir gegenüber wie immer. Offensichtlich verträgt er meine überschwänglichen Glücksgefühle. Ich hatte schon einige Menschen aus meinem Leben gehen lassen müssen in der Vergangenheit, da sie meine emotionalen Spitzen nicht ertragen hatten. Deshalb freute ich mich über jeden, der mich und meine Emotionen aushielt.

© Libellchen, 2014

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2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 15

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