Brief an Moni

Liebe Moni!

Alles was ich dir hier schreibe, könnte ich dir auch sagen. Wenn ich es denn könnte. Das gesprochene Wort ist nicht meines. Außerdem bin ich immer noch sauer auf dich, deshalb schreibe ich dir – damit ich nicht mehr sauer bin.

Du hast eine Gabe, mich auf die Palme zu bringen, wie es nur ganz wenige Menschen können. Was wahrscheinlich daran liegt dass du ein Teil meines Lebens bist und ich dich liebe. Die meisten Menschen kommen gar nicht so weit, von daher können sie mich auch nicht so oft nerven, reizen und auf die Palme bringen.

Wir haben uns schon immer gerne aneinander aufgerieben – wahrscheinlich weil wir uns zu ähnlich sind. Andererseits helfen wir uns dadurch auch immer wieder recht gut. Wo ich früher vorgezogen habe, nicht mehr mit dir zu sprechen, denke ich jetzt darüber nach, was ich von dir lernen soll. Doch nicht immer kann ich etwas lernen.

Manchmal trampelst du auch nur in ein Fettnäpfchen und weißt es noch nicht mal. Früher sind wir dann richtig doll aneinander gekracht, doch mittlerweile nimmst du meine Schroffheit nicht mehr so persönlich und ich versuche nicht den ganzen Frust bei der abzuladen – mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Vor kurzem bin ich explodiert – keine Ahnung ob du es mitbekommen hast, wenn ja, dann ist dir die Intensität wahrscheinlich nicht bewusst.

Alles begann vor ein paar Wochen. Du hattest ein neues Projekt, das mich total angesprochen hat, ich wollte unbedingt dabei sein. Wollte mich einbringen, war total euphorisch. Und hab mich ganz mutig hinausgelehnt und etwas für mich total untypisches gemacht, wofür ich von dir sofort „abgestraft“ worden bin. Dir hat mein „Beitrag“ nicht gefallen und so bin ich von sehr hoch, ganz tief gefallen.

Wobei du wie immer warst. Doch ich hatte etwas gewagt und war auf die Schnauze gefallen – kein sehr schönes Gefühl. Doch ich habe nichts gesagt. Was hätte ich auch sagen sollen? Du hast mich verletzt, weil ich etwas gewagt habe, was nicht ankam? Es war ja schließlich nicht deine Schuld, dass ich die Kritik nicht vertragen habe!

Also hielt ich meinen Mund und steckte es weg – darin war ich immer schon gut. Wir haben danach zwar öfter gesprochen, doch nur über deine Probleme. Mein „Problem“ verschwieg ich. Nicht weil du es nicht vertragen hättest, sondern weil mir oft einfach die Worte fehlen. Natürlich hätte ich dir schon damals schreiben können, doch ich wollte dich nicht verletzen – Ich weiß, total blöd!

Und dann kam ein 2-stündiges Gespräch wo es wieder vorwiegend um deine Probleme ging – du bist übrigens der einzige Mensch auf der Welt, der mir vom selben Problem, immer und immer wieder erzählen darf – das weißt du oder?

Kurz nach unserem Gespräch – aber nicht deswegen! – erfasste mich die Winterdepression. Ich war total gefrustet. War sauer und suhlte mich Selbstmitleid und Tränen. Doch ich sah einen Silberstreif am Horizont. Ich musste dich einfach fragen, ob du in nächster Zeit vielleicht die eine Sache mit mir machen könntest, die uns beiden immer so gut tut. Doch bevor ich dich noch fragen konnte, schicktest du mir eine Nachricht. Du wolltest mir sagen, dass du am nächsten Tag, genau diese eine Sache – OHNE MICH – machen würdest. Und da wurde ich STINKWÜTEND!!!!!!! Ich kochte vor Wut. Du hattest genau das kommuniziert, was mich genau in diesem Moment total traf. Ich war am Boden zerstört. Doch ich wollte dir nicht zeigen wie sehr du mich verletzt hast – mit diesem Zufall. Also wünschte ich dir viel Spaß.

Woraufhin du mir sagtest dass du es schon dringend brauchst und es daher ganz spontan ohne mich machst. Ja, ich hätte es auch gebraucht!!! Doch das interessierte niemanden. Zu dem Zeitpunkt hattest du mich noch gar nicht gefragt, wie es mir geht – ach ja, ich sollte dir vielleicht sagen, dass ich in Krankenstand bin!

Als ich das erledigt hatte, kam dann deine Anteilnahme – ein wenig spät nicht wahr? Schließlich gönnst du dir ohne mich das, wonach ich mich sehnte. Meinst du mit deinem Mitleid ist da alles getan – so irrationale Wut ist doch was Tolles, oder? Da vergisst man doch glatt das Selbstmitleid!

Achja, dein ich werde an dich denken, wenn es mir dann wieder besser geht, kannst du auch gerne stecken lassen – ich bin gerade irrational wütend, was mir sogar bewusst ist, da helfen keinen schönen Worte mehr!

Du glaubst doch nicht wirklich dass du dich da rausreden kannst, oder?
Mir geht es schlecht – was du nicht weißt
Ich will etwas – was ich dir nicht gesagt habe
Du tust genau das ohne mich und dann wunderst du dich, wenn ich mich nicht wirklich für dich freuen kann? Und dabei betonst du dass du es brauchst weil es dir schlecht geht – das weiß ich! Du hast mir von dem Problem schon sicher 50 Mal erzählt! Soll ich mich jetzt vielleicht darüber freuen, dass du es lösen willst und ich mir es nicht noch 50 Mal anhören muss? Ha! Was erwartest du nicht noch alles von mir?

Ganz ehrlich Moni, wenn es dich nicht gäbe, würde ich mich wahrscheinlich immer noch in Selbstmitleid suhlen. Vielen Dank dass du mich immer mal wieder auf die Palme bringst und mich dabei wieder auf den Boden zurück holst!

Natürlich können wir jetzt gerne auch darüber sprechen, jetzt wo ich es mir von der Seele geschrieben habe, bin ich auch nicht mehr sauer.

In Liebe

Dein Libellchen

P.S. Im Februar machen wir diese eine Sache aber wieder gemeinsam? Ja? Bitte!!!!!!!

© Libellchen, 2014

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