Drehbuch der Liebe – Teil 14

„Was ist passiert?“ Das Chili köchelte immer noch vor sich hin und so setzte ich mich zu ihm in die Küche.
„Meine Mutter hatte Krebs und mein Vater einen Autounfall.“
„Wie lange ist das her?“
„Als meine Mutter starb war ich 20. Beim Unfall meines Vaters 25.“
„Hast du Geschwister?“ Schon traurig das ich das fragen musste!
„Nein.“ Seine Antworten kamen sehr unterkühlt und wurden immer kürzer.
„Kann es sein dass du nicht darüber willst?“
„Worüber?“
„Das du keine Familie mehr hast.“
„Stimmt, darüber will ich nicht reden!“
„Okay“
Also schwiegen wir. Ich konnte nicht nur gut zuhören, mit ihm konnte ich auch gut schweigen. Also hielt ich meinen Mund und schaute ihm beim Umrühren zu.
„Essen ist fertig!“
„Endlich, ich habe einen Bärenhunger!“
„Dann ab mit dir ins Wohnzimmer.“ Er trug den Topf und folgte mir. Beim Essen schwiegen wir weiter, was jedoch auch etwas damit zu tun hatte, dass wir damit beschäftigt waren unseren Hunger zu stillen. Es schmeckte ausgezeichnet. Wie das Chili meines Stiefvaters als ich noch ein Kind war.
„Wie geht es eigentlich deiner Familie?“ Ah, er wollte vom Thema ablenken.
„Gut. Sie vermissen mich zwar, aber alle sind wohlauf. Aber eigentlich wollte ich nicht schon wieder über mich reden. Ich wollte dich besser kennen lernen. Den Menschen hinter dem Star sozusagen.“
„Was willst du wissen?“
„Alles was du mir erzählen willst.“ Darüber musste er offensichtlich erstmal nachdenken. Vielleicht wollte er mir ja auch gar nichts erzählen. Es gab ja Menschen die alles mit sich alleine ausmachten. Ich war auch mal so. Also bedrängte ich ihn nicht weiter. Er wusste, ich wollte ihn kennen lernen. Wenn er reden wollte, würde er es tun. Doch erstmal aßen wir fertig. Da er gekocht hatte, übernahm ich den Abwasch. Er sorgte in der Zwischenzeit dafür, dass das Feuer nicht ausging und der Boiler für das Warmwasser aufgeheizt wurde.

Langsam bekam die Hütte eine heimelige Wärme. Offenes Feuer versetzte mich immer in eine melancholische Stimmung. Das Geräusch von Feuer und die davon ausgehende Wärme hatten eine meditative Wirkung auf mich. Ich fühlte mich dabei immer in meine Kindheit zurück versetzt. Besser gesagt in die Vorweihnachtszeit, als wir den Baumschmuck bastelten. Es war immer eine sehr schöne Zeit gewesen. Ich fühlte mich geborgen, es war warm und ich freute mich auf Weihnachten. So ähnlich ging es mir hier in Kanada, nur ohne Weihnachten. Ich machte es mir auf der Couch vor dem Kamin gemütlich und starrte in die Flammen. Kurz darauf kam Aksel. Ich wollte die Füße von der Couch nehmen, doch er bedeutete mir zu bleiben. Er kam zu mir, hob meine Füße hoch, setzte sich, legte meine Füße auf seinen Schoß und begann sie zu massieren. Und während er massierte, begann er zu erzählen. Von seinem Leben. Vor allem von seinen Beziehungen. Von seiner Familie erzählte er allerdings nichts. Nach 2 Stunden begannen meine Augen müde zu werden und ich ertappte mich dabei, dass ich immer wieder wegnickte.
„Ich glaube du gehörst ins Bett. Wir können ja morgen weiter sprechen.“ Natürlich war ihm meine Müdigkeit aufgefallen.
„Ja, war ein langer Tag heute. Ich würde gerne morgen weiter sprechen, ich habe das vorhin wirklich ernst gemeint.“
„Ich werde noch Feuer nachlegen, damit es morgen früh nicht zu kalt ist.“ Während Aksel sich um das Feuer kümmerte, nahm ich eine schnelle Dusche und schlüpfte dann schnell unter die Bettdecke. So warm es auch unten vor dem Kamin geworden war, hier im Obergeschoß war es noch recht kühl. Wir hatten zwar die Türen geöffnet gehabt, aber richtig warm ist es trotzdem nicht geworden.

© Libellchen, 2014

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2 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 14

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