Drehbuch der Liebe – Teil 10

Zuerst sah ich ihn nicht da er umringt war von 2 weiblichen Hotelgästen. Natürlich! 1 Blondine und 1 Schwarzhaarige. Beide mit teuer getunten Fahrgestellen, gestraften Gesichtern, gebräunt, in Designerbikinis und mit gestylten Haaren. Hübsch, aber definitiv künstlich. Als ich die Szene erblickte, blieb ich automatisch stehen. Ich konnte da einfach nicht hingehen. Ich kam mir plötzlich klein und unscheinbar vor. So viel Sonne hatte ich dieses Jahr noch nicht abbekommen und im Gegensatz zu den beiden, wirkte ich richtig käsig. Dazu mein Billigbikini und mein Wühltischkleid. Und meine, zu einem Zopf gebundenen, Haare. In der Hand hielt ich eine Plastiktüte mit den Büchern. Ich kam mir plötzlich irrsinnig billig vor. Ich merkte wie ich langsam rückwärts ging. Und als ich darüber nachdachte, was ich da tat, rannte ich auch schon gegen einen Tisch. Das Geklapper des Geschirrs bescherte mir die Blicke aller Anwesenden auf dem Dach. Toll, das hatte mir gerade noch gefehlt!

Als Aksel mich sah, lächelte er und winkte mich zu sich. Hoffentlich hatte er meinen nicht sehr erfolgreichen Fluchtversuch nicht bemerkt. Als ich näher kam, konnte ich gerade noch hören, wie Aksel die beiden los wurde.
„Meine Damen, sie entschuldigen mich. Wir haben ein Arbeitsfrühstück.“ Arbeitsfrühstück. Natürlich. Wir arbeiten zusammen, das war es auch schon. Wir gingen zu einer Sitzecke die ein wenig abgelegen stand.
„Hier haben wir unsere Ruhe. Ich habe dem Kellner schon gesagt, dass wir wahrscheinlich den ganzen Tag hier sein werden.“ Ja tatsächlich. Unsere Ruhe würden wir hier haben. Von der Bar und vom Pool konnte man hier nicht hersehen, da eine natürliche Barriere aufgebaut war. Hinter den Pflanzen konnten wir uns gut verstecken. Auch wenn mir nicht ganz klar war, vor wem genau und warum er sich verstecken wollte. Aber eigentlich war das auch egal. Hier hatten wir Sonne und waren unter uns. Es war ein sehr schönes Plätzchen, mit 2 Sonnenliegen, 2 Hockern und einem kleinen Tisch, der drohte unter der Last des aufgedeckten Frühstückes zusammen zu brechen. Also verhungern würden wir schon mal nicht.

Nach dem Frühstück wandte ich wieder die Pflastertechnik an und zog mir schnell das Kleid aus, bevor ich wieder zu viel überlegen konnte. Ich schnappte mir eines der Bücher und machte es mir auf einer Sonnenliege gemütlich. Aksel ließ mich dabei nicht aus den Augen. Sein Gesicht zeigte allerdings keine Regung. Sein Pokerface war einfach zu gut. Verdammte Schauspieler. Ich beschloss mich nicht beirren zu lassen und versuchte den Tag zu genießen. Doch erstmal schlief ich wieder ein. Die letzten Wochen waren hart für mich gewesen und ich hatte offensichtlich ein wenig Nachholbedarf was den Schlaf anbelangte.

Nach etwas mehr als einer Stunde, weckte mich ein durchdringendes hohes Lachen. An der Bar war jetzt mehr los. Ich konnte zwar nichts sehen, doch ich hörte, wie sich mehrere Menschen unterhielten. Als ich aufsah, merkte ich, dass ich alleine war. Aksel hatte wohl die Gunst der Stunde genutzt. Wahrscheinlich war er mit den Girls von vorhin an der Bar. Naja, was solls. Ich nahm mein Buch wieder zur Hand und begann noch mal von vorne. Weit war ich ohnehin nicht gekommen, bevor ich eingeschlafen war. Als ich gerade Seite 10 erreichte, stand er plötzlich vor mir und hielt mir meinen I-Pod entgegen.
„Nachdem es hier immer lauter geworden ist, dachte ich du würdest den vielleicht brauchen. Sonst hast du das Ding ja auch immer bei dir.“
„Äh, danke! Das ist echt nett von dir! Das du ihn überhaupt gefunden hast.“
„Naja, er lag in deinem Koffer. Aber ganz obenauf. Deine Wäsche hätte ich nicht durchwühlt. Ich hoffe das ist kein Problem?“ Das war es tatsächlich nicht. Komisch. Normalerweise hatte ich schon ein Problem wenn jemand ungefragt an meine Sachen ging. Wahrscheinlich störte es mich deswegen nicht, weil er mir nur eine Freude machen wollte. Und so konnte ich ihm auch ganz entspannt antworten
„Nein, kein Problem. Danke“
„Äh, ich hab da noch etwas gefunden in deinem Koffer.“ Er holte hinter dem Rücken ein Buch hervor. Mein Buch!
„Das ist das Rohmaterial für den Film. Oder?“
„Ja, das ist der Anfang von diesem Projekt.“
„Darf ich es lesen?“
„Das ist auf Deutsch!“
„Ich weiß, ich kann die deutsche Sprache lesen und verstehen. Nur sprechen oder schreiben kann ich sie nicht. Meine Mutter kam aus der Schweiz.“
„Na dann, viel Spaß damit.“ Er war doch immer wieder für eine Überraschung gut.

© Libellchen, 2014

zu Teil 9….

zu Teil 11….

4 Kommentare zu “Drehbuch der Liebe – Teil 10

  1. Pingback: Drehbuch der Liebe – Teil 9 | Libellchen

  2. Liebes Libellchen,

    mir gefällt deine Geschichte sehr gut, und ich warte schon immer ganz gespannt auf die nächste Folge! 🙂 Du schreibst sehr schön, und ich bin sehr gespannt, wie es weiter gehen wird. Ich habe ja so die eine oder andere Vorstellung, aber du bist im Erfinden von Verwicklungen und Verwirrungen sehr kreativ. Was mir außerordentlich gut gefällt. Bin jetzt schon auf den 11. Teil gespannt!

    Alles Liebe für dich und viele schöne Ideen wünscht dir
    Rolf

    • Hallo lieber Rolf!
      Schön dass es dir gefällt! 🙂 Ich glaube du wirst mit den noch bevorstehenden Verwirrungen und Verwicklungen zufrieden sein!
      Ich wünsch dir einen schönen Sonntag! Am Mittwoch gehts mit Teil 11 weiter.
      LG

  3. Pingback: Drehbuch der Liebe – Teil 11 | Libellchen

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