Ausmisten

Nächstes Jahr ziehe ich ja um, also habe ich bereits begonnen, sukzessive jede Lade durchzuschauen. Alles was ich nicht siedeln will, wird weggeworfen. Ich mach das richtig gern. Ich bin definitiv ein Wegwerfer! Gestern sind mir alte Fotos in die Hände gefallen. Fotos werden definitiv aufgehoben. Und als ich die Fotos so durchschaute wurde mir einiges bewusst.

  • Ich habe in meinem Leben schon mehr Freunde gehen lassen, als andere in ihrem ganzen Leben finden!
  • Keiner von denen kannte mein wahres Wesen!
  • Es ging mir noch nie besser!
  • Das Party-Leben fehlt mir definitiv nicht!

Meine Jugendjahre kommen mir oft so weit weg vor, als handle es sich dabei um ein anderes Leben. Viel Party, viel Alkohol,… Menschen die mich mögen, aber nicht kennen. Menschen die meine Nähe genießen, mir aber jede Kraft absaugen. Männer die mich küssen, obwohl sie mich nicht kennen. Männer die mit mir eine Beziehung führen, und keine Ahnung von meiner Seele haben.

Natürlich können sie nichts dafür. Ich habe mich einfach nie gezeigt. Ich war immer die perfekte Freundin. Wurde zuhören gewünscht, habe ich zugehört. Wurde Party gewünscht, habe ich Party gemacht. Lange Jahre habe ich mich nie gefragt, was ICH eigentlich will. Ich war mit allem einverstanden. Das Lokal ist Mist? Gut, gehen wir halt in ein anderes. Der süße Typ an der Theke, ist nicht so wichtig, wie die Wünsche meiner Freunde. Ich war damals nicht unglücklich. Ich war nur sehr oberflächlich. Habe niemand an mich rangelassen. Habe alles mit mir selbst ausgemacht. War immer die Starke. Habe nie Schwäche gezeigt. Musste ich heulen, hab ich das alleine am Klo gemacht. Ich war für andere da. Immer.

Doch auf Dauer ist das halt nicht gut gegangen. Ich habe immer meine Wünsche zurück gestellt. Habe mich immer zurückgenommen. Habe jeden Streit vermieden, indem ich meinen Zorn runtergeschluckt habe. Doch irgendwann war dann immer das Maß voll und ich bin explodiert. Und das wars dann auch immer. Ich wollte immer alles tun, damit ich meine Freunde behalte, da ich dachte, dass ich unbedingt Menschen um mich brauche.

Als ich ein Kind war, hatte ich keine Freunde. Keinen einzigen. Und damals sehnte ich mich danach. Als ich dann lernte Freundschaften zu schließen, habe ich mich auch an diese Menschen geklammert und mein wahres ICH zurück gestellt. Selbstverwirklichung empfand ich nie so erstrebenswert, als Freundschaften. Umso schlimmer war jeder Verlust eines Freundes. Und es ging einer nach dem anderen.

Es gab eine Zeit da machte mich das traurig. Als ich gestern die Fotos in Händen hielt, war ich nicht traurig. Es war mein Leben. Es war ein Schritt auf meinem Lebensweg. Diese Menschen haben mich einen Teil meines Weges begleitet und jede Trennung, brachte mich näher an mein jetziges Leben ran. Und dafür möchte ich ihnen danken. Es war eine tolle Zeit. Wir hatten viel Spaß. Waren ausgelassen. Waren fröhlich. Haben herumgealbert. Haben getrunken. Geschäkert. Geliebt.

Die Fotos von euch behalte ich, genauso wie die Erinnerung an eine unbeschwerte Jugend. Ich hoffe es geht euch gut. Danke dass ihr eine Zeitlang Teil meines Lebens ward.

© Libellchen, 2013

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