Verzeihen

Während des schreiben des letzten Blogbeitrages kam da eine Erkenntnis in mir hoch. Ich kann nur unter bestimmten Voraussetzungen Verletzungen meiner Seele verzeihen.

1. Ich muss meine Verletzung der Person die sie mir zugefügt hat ins Gesicht sagen
2. Zeit

Wie ich jetzt darauf komme. Ich habe dem „Ex“ verziehen. Ich kann ihm wieder in die Augen schauen. Kann ihn sogar anlächeln und ganz offen grüßen. Ich habe kein Problem mehr mit ihm. Allerdings habe ich ihm damals auch an den Kopf geworfen, wie weh er mir getan hat und wie enttäuscht ich darüber bin. Und das ganze ist mittlerweile 7 Jahre her.

Eine ehemals beste Freundin, die ich seit 17 Jahren nicht gesehen habe, sollte mir lieber nicht über den Weg laufen. Wenn ich nur ihren Namen bei gemeinsamen Freunden auf Facebook lese, kommt Hass in mir hoch. Und warum? Weil ich ihr nie sagen konnte wie sehr sie mich verletzt hat. Und sie ist nicht die einzige. Die Frauen in meinem Leben sind meistens verschwunden, ohne dass wir uns ausgesprochen haben. Wahrscheinlich hatten sie zu viel Angst davor was ich ihnen sagen könnte. Die Männer haben sich meine Schimpftiraden über sich ergehen lassen und nach einer gewissen Zeit, war auch alles wieder gut.

Nicht falsch verstehen, ich würde mir den „Ex“ sicher nicht wieder als Freund zulegen wollen. Auch nicht als platonischen Freund. Ich könnte ihm nie wieder vertrauen. Aber ich kann mit ihm ganz locker umgehen. Ich kann ihn grüßen, ich kann in seiner Gegenwart scherzen, ich hege keinen Groll mehr. Er ist für mich emotional abgehakt. Anders als all die Freundinnen, die sich einfach aus meinem Leben gestohlen haben. Mittels Mail die Freundschaft beendet haben oder mir durch die Mutter ausrichten ließ dass sie ausziehe, oder auch einfach die Facebook Freundschaft kündigten in der Hoffnung, dass ich es schon merken würde. Sie alle waren zu feige, sich einem Gespräch mit mir zu stellen. Ich kann es verstehen. Ich kann verbal ausrasten. Konnte ich schon immer. Und ich bleibe auch in der größten Wut immer noch argumentativ um einiges stärker als die meisten wenn sie nicht aufgeregt sind.

Ich komme mir manchmal vor wie ein „Fisherman Friend“! Ich bin zu stark für viele Menschen. Aber das ist in Ordnung. Meine Freunde müssen halt auch stark sein. Für schwache, unzuverlässige, egoistische Dramaqueens, bin ich halt keine gute Freundin. Ich schätze in allen Beziehungen dasselbe. Egal ob es eine Partnerschaft oder eine Freundschaft ist. Ich gehe respektvoll mit meinen Mitmenschen um und erwarte das im Gegenzug ebenso. Ist man ehrlich zu mir, kann man mit mir über vieles sprechen. Will man meine Meinung nicht hören, sollte man mich nicht danach fragen. Ich tue das was von mir gewünscht wir. Auch dies war immer wieder ein Streitthema in Freundschaften. Freundinnen die mir im Streit ein „Lass mich in Ruhe“ um die Ohren warfen und sich dann wunderten, wenn ich mich ein paar Tage nicht gemeldet habe. Oder sich wunderten dass ich nicht darum bettelte, dass sie mir noch eine Chance geben mögen nach einem „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben.“

Wer nicht will der hat schon. Ich gehöre zu den Menschen die auch ganz alleine glücklich sein können. Das ist ein Fluch und ein Segen. Ein Segen, weil mich das Ende einer Beziehung, nicht verzweifeln lassen. Ein Fluch, weil ich mir nicht alles gefallen lasse und dadurch immer wieder Freundschaften in die Brüche gehen. Am besten daran finde ich allerdings, dass ich nicht jedem verzeihen muss, um nur ja keine Freunde zu verlieren. Könnte ich auch gar, zumindest nicht so lange mein Gegenüber nicht das offene Gespräch sucht und sich meine Wut anhört. Wobei ich diese Aussprachen nicht gerade suche. Mein Leben ist zu schön um mich damit zu belasten. Doch wenn das Leben es will, dann treibt es mir diese Menschen schon wieder in mein Leben. 3 Mal wurde ich vom Leben bereits dazu „gezwungen“. 3 Mal konnte ich mir meinen Frust von der Seele reden und 3 Mal habe ich auch verziehen. Für alle die sich meiner Wut allerdings nicht stellen wollen oder können, sollten nicht darauf warten, dass die Zeit alle Wunden heilt und ich ihnen in Abwesenheit verzeihe. Leute das könnt ihr knicken! Wenn ihr wissen wollt wie es geht, könnt ihr aber den „Ex“, den „süßen Typen“ oder einfach meine Mutter fragen.

© Libellchen, 2013

3 Kommentare zu “Verzeihen

  1. Da habe ich so noch nie drüber nachgedacht, aber es ist wahr. Mir geht es genauso. Ich muss es loswerden können, und zwar bei der betreffenden Person. Allerdings ist das auch gleichzeitig meine Schwäche. Kann ich meine Verletzung nämlich nicht ausdrücken, quält sie mich weiter. So habe ich immer wiederkehrende Alpträume vom Psycho-Ex. Ich könnte ihm nie verzeihen, was er getan hat, aber ich glaube, wenn ich das Gefühl hätte, dass er meine Worte versteht, hätte ich meinen Frieden. Dazu ist er nicht in der Lage. Wie kann ich es dann loswerden? Hast du da eine Strategie?

    • Hm. Mir geht es weniger darum dass mein Gegenüber versteht, sondern vielmehr dass ich es mir bei der verantwortlichen Person von der Seele reden kann. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass meine Ansichten bzw. Gedanken nicht verstanden werden.
      Ich hätte da eine Frage zu deinem Psycho-Ex – musst du ihm denn verzeihen?
      Ich frage deshalb weil ich denke dass man nicht alles verzeihen kann. Man kann Dinge akzeptieren, aber alles verzeihen? Ich weiß nicht, ich denke da gibt es Grenzen. Ich kann zum Beispiel verzeihen wenn mir jemand aus Dummheit weh tut, aber nicht mit Vorsatz. Wenn mich jemand vorsätzlich verletzt, dann sehe ich auch nicht ein verzeihen zu müssen. Und vor allem, hat er dich um Entschuldigung gebeten?

      • Nein, das meine ich auch. Das Gegenüber muss nicht meine Gefühle verstehen, aber in der Lage sein, meine Worte intellektuell aufzunehmen.
        Das kann der Ex m. E. nicht aufgrund seiner psychischen Krankheit. Nein ich muss und will ihm nicht verzeihen, aber ich würde so gerne meine Wut loswerden. Und natürlich hat er mich nicht um Verzeihung gebeten, ich habe schließlich sein Leben versaut.
        Hatten duch die betreffenden Leute immer um Verzeihung gebeten?

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