Abstellgleis

In Freundschaften gibt es Phasen wo man sich näher steht, und jene wo sich die Leben von Freunden auseinander bewegen. Manchmal überleben Freundschaften solche Phasen der Distanz, manchmal nicht. Früher habe ich versucht alles zu tun, um diese Distanz zu vermeiden. Wenn sich Freunde von mir entfernt haben, bin ich ihnen gefolgt, egal wohin und egal was ich für mich eigentlich wollte.

Diese Zeiten sind allerdings seit 2 Jahren vorbei. Warum seit 2 Jahren? Weil ich vor 2 Jahren so am Ende war, dass ich keine Kraft mehr hatte auf andere Rücksicht zu nehmen. Damals wurde mir klar, wenn ich auch mal glücklich sein will im Leben, dann sollte ich vielleicht endlich damit anfangen, Dinge zu tun die ich mag. So zu sein wie ich bin. Und mich nicht mehr nach meiner Umwelt zu richten.

Als ich den süßen Typen kennen lernte, tat ich alles um ihn glücklich zu machen. Doch diese Zeiten sind auf seinen Wunsch vorbei. Er war der Auslöser für mein neues Ich und er kämpft nun mit den Konsequenzen. Er wollte mich nicht mehr wirklich in seinem Leben. Er wollte zwar eine Freundschaft mit mir, allerdings eine wo über so wenig wie möglich über privates gesprochen wird. Im Klartext wollte er nach wie vor meinen Retter spielen – wenn ich einen Handwerker oder einen sonstigen Arbeiter brauchte – doch unsere Gespräche über privates hat er fast auf null reduziert.

Ich hab das akzeptiert und habe mir mein Leben ohne ihn eingerichtet. Wenn er sich meldet ist es gut, tut er es nicht – ist es auch gut! Den Part wo ich über Dinge spreche die mich bewegen, haben andere übernommen. Unter anderem ein netter Kollege von mir. Und ja, wir reden nur – und das ist auch gut so! Wir tun dass schon seit Monaten, doch dem süßen Typen ist es erst vor kurzem aufgefallen. In den letzten 2 Wochen ist er 3x zufällig vorbei gekommen, als ich mich mit meinem Kollegen unterhalten habe.

Beim ersten Mal schaute er verwundert. Beim zweiten Mal, besuchte er mich ein paar Stunden später und erwähnte ganz nebenbei, dass ich in letzter Zeit öfter bei meinem Kollegen bin. Ich meinte dann nur, dass ich nicht öfter bei ihm bin, sondern er mich nur öfter gesehen hat. Darüber hat er dann ein paar Tage nachgedacht. Beim 3. Mal hat er mich dann zur Rede gestellt. Was genau ich eigentlich immer bei meinem Kollegen machen würde. Meine Antwort gefiel ihm glaube ich nicht „Ich rede mit ihm über diese Dinge, über du mit mir nicht mehr reden willst“.

Ist mir aber auch egal. Er war in den letzten Monaten nicht wirklich präsent in meinem Leben. Ich weiß dass ich mich jederzeit auf ihn verlassen kann, wenn ich ihn brauche, aber das ist mir für eine Freundschaft einfach zu wenig. Für mich sind Freunde Menschen, die ihr Leben mit mir teilen, weil sie mich mögen. Zu sagen, ich bin eh immer da wenn du mich brauchst, ist mir persönlich zu wenig. Denn mal ehrlich, wenn ich einen Handwerker brauche, kann ich einfach einen anrufen. Dazu brauche ich keine Freunde. Natürlich ist es nett, wenn es jemand gibt der mir unter die Arme greift, aber unter Freundschaft verstehe ich trotzdem etwas anderes.

Mit Freunden teile ich meine Hochs genauso wie meine Tiefs. Und ich brauche auch nicht regelmäßig Kontakt. Ich hatte auch schon Freundschaften mit Menschen die ich nur 3 Mal im Jahr hörte und nur 1 Mal im Jahr sah. Allerdings haben die mich auch nicht zur Rede gestellt, wenn ich der Zeit wo sie nicht da waren, mich mit anderen unterhalten habe. Und ich glaube dass ist genau der Knackpunkt. Er ist zwar nicht da, aber mit jemand anderen brauche ich auch nicht reden. Da gibt es nur ein Problem. Ich bin keine Lok auf einem Abstellgleis, ich bin ein Mensch und tue was ich will.

© Libellchen, 2013

4 Kommentare zu “Abstellgleis

  1. Hihi – passt ja mal wieder – ich war grad bei F. – überfallsartig – weil mir danach war – und jetzt isser wieder voll fertig – wollte mir Vorwürfe machen, weil ich mich schon seit 2 Wochen nicht gemeldet hatte – ich erzählte ihm die News in Kurzfassung – und bin wieder gefahren 😉

  2. es ist nicht selbstverständlich, dass jemand dir unter die arme greift und für dich das ist, wenn du ihn brauchst. du willst, dass deine freunde dich nehmen, wie du bist…
    dann sieh aber auch dass dein freund eben so maulfaul ist, wie er ist. natürlich wird er hellhörig wenn er sieht, dass du ihn ersetzen kannst. aber vergiss bei allem nicht, was er für dich getan hat.

    • Natürlich ist das nicht selbstverständlich! Aber der süße Typ ist ja nicht irgendein Freund – nachzulesen unter der Kategorie „Meine kleine Seele“.
      Wir waren uns mal sehr nahe, dann hat ER das anders gewünscht, jetzt hat er was er wollte und jetzt will er mich zur Rede stellen?

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