Schönling

„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen“

Woody Allen

Nachdem ich Gott gerne zum Lachen bringe, plane ich nach wie vor mein Leben. Allerdings kann ich mittlerweile mit Planänderungen sehr viel besser umgehen als noch vor ein paar Monaten. Sollte mal ein Plan nicht funktionieren, denke ich mir mittlerweile sofort – für irgendwas wird’s gut sein.

Diese Woche hatte ich mal wieder einen Plan. Ich wollte so effizient wie möglich den Reifenwechsel meines Autos hinter mich bringen. Das war am Montag, ich höre Gott noch immer lachen. 🙂

Am Montag war ich mit meiner Mutter massieren. Mein Plan war, Auto in die Werkstatt stellen, mit Mama massieren fahren, von Mama wieder in Werkstatt bringen lassen, mit Auto nach Hause fahren. Gut war er ja der Plan, aber es sollte mal wieder ein wenig anders kommen. Also eigentlich lief eh alles wie geplant, nur nach dem abholen, kam dann noch ein Anruf. Und wenn die Werkstatt anruft, kurz nachdem man dort das Auto abgeholt hat, kann das nichts Gutes bedeuten. In meinem Fall bedeutete es, bei einem Reifen nur 3 Radmuttern halten, da bei der vierten etwas zerstört worden ist. Und fragt mich bitte nicht was. Ich habe bei allen technischen Detail ein absolut selektives Gehör. Mir wurde es jetzt 3 Mal erklärt und ich weiß noch immer nicht was genau passiert ist.

Fakt ist, ich musste noch mal hin. Besser gesagt 2 Mal. Da das Ersatzteil erst heute gekommen ist, sollte ich gestern nach der Arbeit vorbei kommen und die Radmuttern nachziehen lassen. Was ich auch getan habe. Und dann passierte etwas, dass man so gar nicht planen kann.

Bei der Werkstatt handelt es sich um eine Filiale der Firma für die ich von 1997 bis 2002 gearbeitet habe. Natürlich kennt mich dort niemand mehr. Was es für mich nicht weniger lustig macht. Ich war dabei als die Filiale 2000 aufgesperrt hat. Ich kenne jeden Winkel des Gebäudes. Ich weiß wo im Lager die Reifen lagern und wo die Ersatzteile. Ich weiß wo der Kaffeeautomat steht, wo der Aufenthaltsraum der Bediensteten ist, wo sich die Mechaniker umziehen und wie viele Duschen in der Umkleide sind. Und kein Mensch kennt mich dort. Keiner weiß dass ich eine Ex-Mitarbeiterin bin. Zumindest war das bis gestern so.

Gestern fuhr ich wie gewünscht nach der Arbeit vorbei um meine Radmuttern nachziehen zu lassen. Und als ich die Filiale betrat, strahlte mich plötzlich jemand an und winkte mir von der Ferne zu. Es hat sich schon sehr lange niemand mehr so gefreut mich zu sehen. Dabei mochten wir uns eigentlich nie wirklich. Es war der Gebietsleiter, der wieder mal im Lande war. Er war auch schon Gebietsleiter als ich noch für die Firma arbeitete, und wir hatten damals immer mal wieder Reibereien. Doch wir haben auch gemeinsame Weihnachtsfeier erlebt, wir haben uns zirka einmal im Monat in der Zentrale getroffen, haben uns in Villach einmal im Jahr auf einem Fest getroffen, haben gemeinsam Filialen eröffnet. Kurz und gut, wir haben viele gemeinsame Erinnerungen und haben viele gemeinsame Bekannte.

Wie gesagt als wir noch zusammen gearbeitet haben, hatten wir auch viele Reibereien. Doch nun arbeiten wir nicht mehr zusammen. Was bleibt sind Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse und sein knackiges Aussehen. Ich weiß nicht genau wie alt er ist, aber ca. 10 Jahre älter als ich. Ein braungebrannter, durchtrainierter Kärntner, der viel zu sehr von sich selbst eingenommen ist. Zumindest war er das in der Vergangenheit. Diesmal wirkte er nur müde und schien sich aufrichtig darüber zu freuen mich zu sehen. Wir plauderten ein wenig über die gute alte Zeit und er machte mir Komplimente. Sagte mir wie sehr er sich freue mich zu sehen und wie gut ich aussehe. Wie gut ich mich gehalten hatte. Ich muss sagen die Komplimente gingen runter wie Öl.

In meiner Erinnerung war er immer aufgesetzt freundlich, doch diesmal wirkte sein Interesse und seine Freude echt. Und so verwunderte es mich auch nicht dass er sich persönlich um das nachziehen meiner Radmuttern kümmerte, bevor er sich meine Telefonnummer geben ließ. Natürlich haben auch alle Anwesenden mitbekommen, dass wir uns kennen und dass ich mal für die Firma gearbeitet hatte. Auch egal. Der Schönling hat jetzt meine Telefonnummer, mal schauen ob er sie auch benutzt.

© Libellchen, 2013

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