Tief

Ich glaube nicht dass es Menschen gibt, die das ganze Jahr ausschließlich gut drauf sind. Jeder hat hin und wieder ein Tief. Meines ist jedes Jahr um diese Zeit. Diesmal dauerte es nur ein paar Stunden an. Ich habe mir meinen Gedanken von der Seele geschrieben und dann war es auch wieder gut. Früher dauerte dieses Tief den ganzen Winter. Ich habe in den letzten Jahren viel erreicht. Ich gehe positiver durchs Leben und habe mittlerweile gelernt das Leben auch alleine genießen zu können.

Doch gewisse Dinge kann man nicht schön reden. Man kann sie allerdings akzeptieren. Ich kann akzeptieren dass ich keine Kinder bekommen werde. Ich kann akzeptieren dass ich der ewige Single bin. Ich kann akzeptieren dass es keinen Mann gibt der mich liebt – Familienmitglieder natürlich ausgenommen. Doch um Dinge akzeptieren zu können, braucht es Zeit. Es kann mir niemand erklären, dass er schlechte Nachrichten einfach so, mit einem Schulterzucken akzeptieren kann.

Und mittlerweile nehme ich mir diese Zeit auch. Und wenn ich dann mal durchhänge dann ist das halt so. Und nein, die Umarmung eines Verwandten oder Freundes kann nicht alles heilen. Als ich von der gestorbenen Hoffnung schrieb, niemals Mutter zu werden, wurde ich gefragt ob es in meinem Leben keine Familie oder Freunde gibt. Doch natürlich gibt es die. Doch wie sollen die diese Lücke füllen?

Als ich noch jung war, wollte ich keine Kinder. Doch irgendwann wandelte sich meine Meinung zu einem Vielleicht. Kurz vor meinem 30er hörte ich die biologische Uhr ticken. Ich hatte plötzlich Stress einen Mann zu finden und eine Familie zu gründen. Damals ließ ich mich beruhigen, dass ich zu den Spätzündern gehöre, und bis 35 alles gut werden würde. Und jetzt da es so weit ist, ist nicht alles gut und das gilt es zu akzeptieren.

Früher war ich oft einsam. Ich war zwar die ganze Zeit umgeben von meinen Großeltern, doch trotzdem war ich einsam. Einsamkeit hat nämlich nur bedingt etwas mit „allein sein“ zu tun. Man kann unter vielen Menschen einsam sein, oder ganz alleine nicht. Es hat immer etwas mit der inneren Einstellung zu tun. Es kommt immer darauf an, was man aus seinem Leben macht. Doch zu der Weihnachtszeit, im kalten grauen Winter, kämpfe ich immer mit der Einsamkeit. Wahrscheinlich weil mich in der Nacht niemand im Arm hält. Weil kein warmer Körper mein Bett wärmt. Und das tun auch nicht Familie und Freunde.

Die sind zwar da und stärken mich das ganze Jahr. Doch hin und wieder bin ich trotzdem schwach. Und das ist auch gut so. Auch ich darf hin und wieder weinen. Und so lange es nur einmal im Jahr ist, mache ich mir deswegen auch überhaupt keine Sorgen. Wenn es Singles gibt, die nie die Sehnsucht nach einem Partner haben und alleine durch die Liebe ihrer Familie und Freunde, dauerhaft glücklich sind – ist das sehr schön für sie. Doch ich gehöre da nicht dazu. Ich komme ganz gut klar alleine. Ich habe mir mein Leben sehr schön eingerichtet, dass heißt aber nicht, dass ich mich nicht nach einer neuen Liebe sehne.

Ihr braucht euch aber um mich keine Sorgen machen. Ich habs mir von der Seele geschrieben und jetzt geht es mir wieder gut. Und wenn Gott will, bin ich bis nächstes Jahr Weihnachten, so beschäftigt, dass mir gar nicht auffällt, dass ich noch immer Single bin.

© Libellchen, 2012

10 Kommentare zu “Tief

  1. Hast du nie über die zahlreichen Möglichkeiten nachgedacht ein Kind auch ohne Mann zu bekommen? Meine Tante hat es mit künstlicher Befruchtung geschafft, eine Freundin von mir in deinem Alter ist Pflegemutter. Ich frage nur aus Neugier und Interesse und nicht aus unlauteren Gründen.

    Und auch meine Frage nach Familie und Freunden hast du wohl etwas falsch aufgefasst… das tut mir leid… Natürlich hinterlässt ein nicht vorhandener Mann eine Lücke und natürlich schafft das in einem gewissen Sinn auch Einsamkeit. Nur kommt es beim Lesen so rüber, dass du dich zu sehr auf diese eine Lücke konzentrierst, als dass du das genießt, was du hast. Der Eindrück täuscht beim Lesen wahrscheinlich, denn es ist nun mal die Eigenheit deines Blogs, dass du so schreibst. Aber weißt du… ich glaube, es gibt mehr als genug Menschen, die auch in Beziehungen einsam sind. Und es gibt keinen Menschen, der nicht irgendwo Einsamkeit in sich trägt.

    • Okay mein Fehler. Ich werde nie eine eigene Familie haben. Mir geht es nicht um ein Kind, sondern um eine eigene Familie. Und dazu gehören ein Mann und mindestens ein Kind. Zumindest in meinem Weltbild.
      Ich kann mir schon vorstellen, dass dieser eine Blogeintrag traurig rüberkommt, ich hab ihn ja auch geschrieben als ich traurig war. Wenn man aber die älteren Blogeinträge liest, dann weiß man, dass ich nicht dauernd traurig bin. Es waren nur ein paar Stunden. Und dafür hab ich diesen Blog – damit ich mir Dinge die mich traurig machen, von der Seele schreiben kann……
      Du hast auch sicher recht, dass es einem selbst liegt wenn man einsam ist. Doch wenn ich es hin und wieder bin, dann lasse ich es auch zu. Denn solche Gefühle verdrängen, ist sehr gefährlich – vertrau mir, ich weiß wovon ich rede 🙂

    • Du sprichst mir aus der Seele! Und alles dieses Gefasel von Freunden und anderen Aufgaben und alternativen Wegen, Kinder zu kriegen – bestimmt nett gemeint, aber denkt dich mal nach. Es geht um das Gefühl nach Geborgenheit, begehrt zu werden… ich bin jeden Tag dankbar für meine Freunde, aber dieses Gefühl bekomme ich nicht von ihnen (und möchte das auch nicht). Leb deine Tiefs. Wie du schon sagst, schlimmer wäre es sie zu verdrängen. Und sie dauern ja auch nicht so lange. Und wenn sie vorbei sind, sind wir auch wieder ganz doll dankbar für unsere Freunde und unsere Jobs 🙂

  2. Hi du,
    also eigentlich kennen wir beide einen Menschen, der eigentlich schon immer „gut drauf“ ist, wobei ich überzeugt davon bin, dass ers auch nur mühsam als Fassade aufrecht erhält, weil die Trauben zu sauer sind und nicht zu hoch hängen dürfen 😉
    Knubus

    • Wenn wir ihn sehen – ja! Aber wir sind ja nicht immer bei ihm 🙂 Ich glaube nicht, dass man IMMER gut drauf sein kann. Und es ist auch okay hin und wieder durchzuhängen. Meistens bin ich eh stark, doch hin und wieder darf ich auch schwach sein – Mittlerweile 😉 Und seit ich es mir zugestehe, ist auch viel schneller wieder vorbei. Als ich noch dachte immer stark sein zu müssen und mir keine Schwäche eingestehen zu dürfen, da war ich sehr lange unglücklich und tat so als wäre ich es nicht – und das kostet wirklich viel Kraft!
      Knubus

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