Hoffnung

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch wenn sie einmal gestorben ist, dann ist sie genauso tot, wie alles andere auch. Menschen die mich ein wenig kennen, erkennen hier einen dezenten Anflug von Weihnachtsdepression. Und ja es ist wahr. Dieses Weihnachten ist zwar genauso entspannt und toll, wie das letzte, doch letztes Jahr hatte ich noch Hoffnung dass 2012, ein tolles Jahr wird. Nun, es war nicht schlecht. Ich habe viel Schönes erlebt heuer und im Großen und Ganzen gibt es auch nichts zu klagen.

Doch es ist Weihnachten und mein Geburtstag steht bevor. Und zwar ein besonderer. Es ist der Geburtstag, bei dem alles anderes sein sollte. Und doch ist es das nicht. Es ist alles beim alten. Und dass kann einem schon irgendwie die Stimmung trüben.

Vor ca. 10 Jahren hat mir mal eine Frau aus der Hand gelesen und mir 2 Kinder prophezeit, aber erst in ein paar Jahren. Ich habe damals gelacht. Doch nur bis mir kurz darauf die Karten gelegt worden sind, mit dem Ergebnis, dass der Mann meiner Träume und zukünftige Vater meiner Kinder, in ein paar Jahren in mein Leben treten würde. Ich müsse mich allerdings noch gedulden. Als ich von dem Zusammentreffen meiner Mutter erzählte, meinte sie, bei meiner Geburt habe sie ein Lebenshoroskop für mich erstellen lassen und da kam raus, dass der Mann meiner Träume erst zwischen meinem 30. und 35. Lebensjahr in mein Leben treten wird. Ich müsse mich also noch gedulden.

Und ich wenn ich nicht wirklich daran glauben wollte, so gab es mir doch Hoffnung, dass es auf dieser Welt einen Mann gibt, der für mich der Richtige ist. Nun, der 35. Geburtstag steht vor der Tür und weder Mann, noch Kinder sind in Sicht. Und die Hoffnung, noch mal jemanden zu finden, der mich so mag wie ich bin, hat sich verabschiedet. Ich muss mich wohl damit abfinden, alleine alt zu werden. Das klingt depressiv? Ich schätze dass bin ich auch grad. Das ist das Problem mit der Hoffnung. Wenn sie stirbt fällt man tief.

Als ich heute von einem tollen Weinnachtsabend nach Hause gefahren bin, habe ich über die Männer meines Lebens nachgedacht. Das Ergebnis will ich euch nicht vorenthalten.

Mein erster Freund verließ mich, weil er lieber mit seinen Kollegen trinken ging.
Der zweite verließ mich, weil er die Finger nicht von den Drogen lassen konnte.
Der dritte schwärmte mir die ganze Beziehung über von anderen Mädels vor, bis es mir reichte und ich ihn verließ.
Der vierte fand mich genauso lang interessant, so lange wir nicht zusammen waren.
Der fünfte – Der Ex – brauchte mich nur als Bettwärmer, geliebt hat er mich nie.
Der „sechste“ – Der süße Typ – machte mir sehr deutlich, dass ich nicht genug sei.

Ich hatte gehofft, es würde auf dieser Welt jemand geben, der mich so lieben kann wie ich bin. Für den ich genug bin. Die Hoffnung hab ich jetzt nicht mehr.

Eigentlich ist dieser Anflug von Depression überfällig. Ich hatte die Anfänge schon vor 5 Jahren zum 30er. Doch damals sagten mir alle, Steinböcke sind Spätstarter und das würde schon werden. Dieses Argument zieht jetzt nicht mehr. Irgendwo tief in mir habe ich immer noch Hoffnung, dass sich vielleicht irgendwo doch noch ein Mann versteckt. Doch meine ungeborenen Kinder werden wohl genau das bleiben. Denn eines war mir immer schon klar. Wenn ich bis 35 nicht schwanger bin, bekomme ich in diesem Leben keine Kinder mehr. Tja Sorry Kinder, ihr werdet euch eine andere Mutter suchen müssen.

Tja es scheint als sei die Zeit, wo ich auf etwas warte und hoffe vorbei. Mir sind die Ausreden ausgegangen. In einer Woche bin ich 35 und immer noch so alleine wie vor 10 Jahren. Und so kippt das „alleine sein“ in Einsamkeit und Traurigkeit. Eigentlich dachte ich, ich wäre die Tränen zu Weihnachten los. Aber da habe ich mich offensichtlich genauso getäuscht wie in der Hoffnung dass man mich lieben könnte……

© Libellchen, 2012

7 Kommentare zu “Hoffnung

  1. Sicher. Aber nach 7 Jahre Singledasein wird man ja mal einen Durchhänger haben dürfen. Ist das nicht verständlich, dass man sich hin und wieder nach einem Menschen an seiner Seite sehnt, der nicht zur Familie oder zu den Freunden gehört? Also ich finde das ganz normal. Man kann schließlich nicht immer gut drauf sein und mein Geburtstag sorgt da immer dafür dass ich nachdenke.

  2. Ach Libellchen, ich kann dich so gut verstehen! Ich hatte zwar nie so genaue Vorstellungen davon, wie mein Leben zu einem bestimmten Zeitpunkt sein würde, aber so langsam gerate ich auch ins Grübeln. Unter 30 hat man irgendwie so viel Zeit, kann alles ausprobieren und es ist auch nicht so wichtig.
    Ich bin heute auch sehr schräg drauf, obwohl Weihnachten soweit echt ok war (eigentlich das erste Mal sein 5 Jahren). Ich werde im Frühling 36 und habe nun auch Angst, dass ich alleine bleibe. Und mir geht es nicht schlecht alleine, das ist nicht der Punkt. Und ich habe auch Familie, Freunde und alles, aber wie du schon sagst, dass ist nicht dasselbe wie eine Beziehung. Trotzdem glaube ich immer noch daran, dass ich mit jemandem alt werde. Irgendwo da draußen muss doch jemand sein, der zu mir passt 🙂
    Alles Liebe dir!
    Luna

    • Ja eh 😉 Aber es gibt sie halt diese Stunden im Leben, wo einem die Zweifel und die Traurigkeit überraschen. Und irgendwie ist das immer zu Weihnachten….
      Aber schön dass es jemand gibt der das Gefühl nachvollziehen kann und versteht.
      LG

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