Planeten

Ich habe von sich vorwärtsdrehenden oder auch rückläufigen Planeten und den dazugehörigen Auswirkungen überhaupt keine Ahnung. Allerdings gibt es in meinem Umfeld Menschen die sich damit auskennen und so bekomme ich immer wieder Infos darüber. Als das mit meiner Wohnung nichts wurde, hat mir ein Freund erklärt – kein Wunder du bist damit genau in den rückläufigen Merkur gefallen. Zumindest glaube ich, dass er Merkur sagte, könnte aber auch ein anderer Planet gewesen sein. Der Punkt ist, mit der Grundaussage fange ich nie etwas an. Mit dem Zusatz, jetzt kommen alte Themen die du noch mal anschauen solltest wieder hoch und man sollte in dieser Zeit keine Verträge abschliessen, hingegen schon.

Das wiederkehren von Themen bis sie endgültig gelöst sind, kenne ich nun schon seit ein paar Jahren. So lange etwas nicht restlos geklärt ist, kommt es immer und immer wieder. Deshalb liebe ich das Schreiben so. Denn alles was ich niedergeschrieben habe, ist für mich erstmal erledigt. Ich komme dadurch schneller weiter. Bevor ich zu schreiben angefangen hatte, haben mich meine Themen jahrzehntelang begleitet und dadurch auch irgendwie blockiert. Ich konnte nichts Neues beginnen, da mich die Vergangenheit einfach nicht los ließ. Doch auch wenn ich Dinge aufschreibe, heißt dass noch nicht dass das Thema restlos geklärt ist. Oftmals kratze ich nur auf der Oberfläche. Und wenn es dann wieder kommt, dann gehe ich ein wenig weiter rein. Meine Selbsttherapie sozusagen.

Wenn in der Vergangenheit Themen wiedergekommen sind, war es immer mit einem großen Trara. Wut, Zorn, Trauer, Verletzung, Selbstzweifel, Tränen – alles Anzeichen, dass ich mich mal wieder mit etwas beschäftigen muss. Jetzt war es also mal wieder so weit. Irgendein Planet brachte alte Themen wieder zurück. Und ich habs nicht mitbekommen. Als mich die Woche jemand darauf aufmerksam machte, dass es wieder an der Zeit war, altes aufzuarbeiten, und zwar schon seit ein paar Wochen, wunderte ich mich, dass bei mir gar nichts passiert war.

Doch bei genauerer Betrachtung stimmte das nicht. Ich hatte einiges erledigt, allerdings so entspannt, dass es mir noch nicht mal aufgefallen war. Da war die Hundeleine des süßen Typen, die ich offensichtlich wirklich durchschnitten habe. Da war die Wohnungssuche die ich ohne nachhaltigen Zusammenbruch recht gut vorangetrieben habe. Dann habe ich letzte Woche jemanden nach Jahren wieder getroffen, der mir vor Jahren meine letzten Nerven geraubt hatte und dem ich jetzt ganz anderes gegenüber getreten bin als früher. Er hatte mich vor Jahren eingeschult und er hat so eine Art sich stundenlang darüber auszulassen, wie schlecht die Welt nicht sei und wie blöd alle seine Mitmenschen sind. Damals wusste ich mich nicht zu wehren, doch vorige Woche habe ich ihn einfach abgestellt.

Dann war da die Besprechung auf der ich vor 3 Jahren schon mal war und die damals für mich eine totale Katastrophe war. Ich war damals total eingeschüchtert gewesen und habe mich wie ein Zwerg gefühlt. Diesmal haben wir ungezwungen geschäkert, gelacht und ich hatte keinerlei Hemmungen mich zu Wort zu melden. Und dann ist da mein Kollege der nach wie vor jeden Tag vorbei kommt und einfach nicht zu verschrecken ist. In seiner Gegenwart kann ich mit meiner Kollegin über Twilight reden. Kann herumalbern. Kann mit ihm flirten, ohne dass er davon läuft. Kann einfach ich selbst sein. Wenn mir in der Vergangenheit jemand gefallen hat, dann habe ich mich zurück gehalten. Wollte nicht zeigen wie albern ich sein kann. Wie sehr ich auf Teenie-Filme und –Serien stehe. Ich wollte immer nur mein Erwachsenes Ich zeigen und nicht meine verspielte Seite. Natürlich konnten solche Beziehungen nicht gut gehen, da ich ja nie zu 100% Ich war. Ich war immer schaumgebremst und habe nicht gezeigt, wie verrückt ich sein kann.

Nicht mal der süße Typ kannte meine verspielte Seite. Kannte meine Vorliebe für Serien. Er kannte mich zwar schon besser als alle zuvor. Doch 100% Libellchen hat auch der süße Typ nicht kennen gelernt. Ich denke diese Öffnung meines Ichs kam auch durchs schreiben. Denn wen es jemand interessiert wie ich wirklich bin, kann er oder sie es ja jetzt nachlesen. Ich verheimliche nichts mehr von meiner Seele. Und wenn sich jemand mein Vertrauen verdient hat, dann bekommt er den Link zu diesem Blog.

Ich habe in den letzten Wochen also doch einiges erledigt, auch wenn es mir nicht aufgefallen war.

© Libellchen, 2012

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