Fad

Ich glaube mein Leben wirkt auf meine Mitmenschen oftmals total fad. Zumindest könnte man die Frage meiner Mitarbeiterin von letztens so verstehen. Sie fragte mich was ich eigentlich nach der Arbeit so tue. Sie könne sich das nämlich gar nicht vorstellen, wie ich meine Zeit außerhalb der Arbeit verbringe. Dazu muss man sagen, diese Frage fiel ihr nach einem 10-Monolog ihrerseits ein, wonach sie mir ihr Leid klagte, dass sie zu Hause ihren beiden Männern (Lebensgefährte und Sohn) nachräumen müsse. Und natürlich dass sie jetzt, da ihr Lebensgefährte mir die Wohnung definitiv nicht gibt – was er mir persönlich übrigens immer noch nicht gesagt hat – 2 Haushalte zu führen habe.

Sie ist also mit zusammen räumen und putzen beschäftigt und fragte sich in Zuge dessen, was genau ich eigentlich in meiner Freizeit so angehe. Nun ja. Computer spielen, lesen, Haushalt, wandern, Musik hören, Kino, Freunde treffen, fern sehen, Familie treffen, schwimmen… Das übliche halt – das Schreiben ist ja mein kleines Geheimnis. Nur das ich mir halt einteilen kann, wann ich was mache. Wenn mir heute nicht nach putzen ist, dann mache ich es halt morgen. Wenn ich 2 Tage hintereinander unterwegs bin, wird die Wäsche halt am 3. Tag gebügelt. Und wenn ich nicht nach Hause komme, dann esse ich halt unterwegs. Ich weiß irgendwie wirklich fad….

Ich hab auch niemanden zum Streiten oder zum Erziehen. Niemand der mich ärgert. Niemand der meine Nerven strapaziert. Ja, wirklich ich hab ein echt ödes Leben. Früher hätte ich mich durch so eine Frage angegriffen gefühlt. Ich hätte versucht mich zu rechtfertigen. Aber wozu eigentlich? Und deshalb hielt ich meine Antwort kurz – ich genieße mein Leben, du nicht? Ich weiß, der Nachsatz war fies. Aber nachdem sie mir ihr Leid geklagt hat, konnte ich nicht anders. Seit 6 Jahren lässt sie sich von ihrem Freund hinhalten und jetzt hat er sich klar gegen ein gemeinsames Leben mit ihr und für seine Wohnung entschieden.

Und sie hat nichts Besseres zu tun, als die 2. Wohnung in ihren Putzplan aufzunehmen. Ich würde da ja keinen Handgriff machen, was ich ihr auch sagte. Jeder ist seines Lebens selbst Schmied. Wenn sie sich von ihrem Partner alles gefallen lässt, dann ist das ihre Entscheidung, dann braucht sie aber nicht mich anjammern. Ich weiß, dass ich durch meine konsequente Art auch schon einige potentielle Partner vertrieben habe. Aber ich will mich nicht mehr verstellen. Von mir kann man sehr vieles haben, auch in einer Partnerschaft, aber mein Ziel dabei ist eine Win-Win-Situation. In der Vergangenheit habe ich viel zu oft nachgegeben. Habe ich viel zu viel gegeben und zu wenig bekommen. Für den Ex habe ich alles getan, und er hat mich 1 ½ Jahre betrogen. Ich habe mir damals immer eingeredet, dass ich, wenn ich alles tue um ihn glücklich zu machen, er mich vielleicht doch irgendwann auch lieben könnte – Bullshit!

Seitdem höre ich nur mehr auf mein Bauchgefühl. Wenn mein Bauch sich einkrampft bei einem „Kompromiss“ dann lasse ich es. Ich tue nicht mehr alles um meine Mitmenschen glücklich zu machen. In erster Linie will ich selbst glücklich sein. Und wenn das bedeutet, dass ich Single bleibe, dann ist es halt so. Lieber glücklich und alleine, als in einer Beziehung unglücklich. Natürlich hat auch meine Mitarbeiterin glückliche Momente in ihrer Beziehung, sonst hätte sie ihn schon längst verlassen, doch von 5 Arbeitstag, kommt sie an 3 mit traurigem Gesicht in die Arbeit. Meine Stellvertreterin – auch Single – und ich haben fast jeden Tag was zum Lachen. Unter diesen Umständen ziehe ich mein „fades“ Leben, dem „aufregenden“ Leben in einer Beziehung auf jeden Fall vor. Wobei wenn mir der „Richtige“ über den Weg laufen würde und eine Beziehung wollen würde, würde ich es auch nicht ablehnen. Doch bis dahin, wird mir auch alleine nicht fad – auch wenn das mein Umfeld offensichtlich glaubt…..

© Libellchen, 2012

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