Authentisch

Lange Zeit habe ich versucht jemand besserer zu sein, als ich tatsächlich bin. Ich wollte es allen Recht machen. Habe den Menschen viel mehr durchgehen lassen, als notwendig. Habe mich immer zurück genommen um andere glücklich zu machen, und wurde dabei immer unglücklicher. Wenn mich jemand nicht mochte, habe ich genau bei diesen Menschen besonders versucht, ihnen zu zeigen dass ich ein netter Mensch bin. Und dabei habe ich mich immer wieder selbst verloren.

Unsere Umwelt beeinflusst uns. Zum positiven als auch zum negativen. Als es mit dem Ex zu aus war, hat mir mein Vater gesagt, dass ich mich in der Beziehung extrem verändert hatte. Damals dachte ich nur „Und wieso sagt er mir das erst jetzt?“ Aber so einfach ist das gar nicht. Wie sagt man jemanden, dass er sich in einer Beziehung verändert, wenn er dabei glücklich ist? Kann es uns anderen nicht egal sein, wenn sich jemand für seinen Partner ändert, so lange er es freien Stücken tut und glücklich dabei ist?

In jeder Beziehung sei es in einer Partnerschaft oder in einer Freundschaft schließt man Kompromisse. Das ist auch gut so – meistens. Ich hatte oftmals das Gefühl nachgeben zu müssen, damit andere bekommen was sie wollen. Was eigentlich total meiner Natur widerspricht. Und deshalb denke ich hat es auch auf Dauer nie funktioniert. Ich habe mich auch immer gefragt warum die Zicken dieser Welt, die besten Männer abbekommen, während wir netten Mädchen durch die Finger schauen. Ich habe mir das echt sehr lange nicht erklären können.

Doch mittlerweile habe ich dazu eine Theorie. Ob ich damit Recht habe, wird das Leben zeigen. Ich habe eine Wirkung auf meine Umwelt. Da ich ein definiertes Ego habe, halten mich viele Menschen für dominant. Mir wurde schon oft gesagt, dass immer alles nach meinem Kopf gehen muss. Allerdings kamen solche Meldungen immer von Menschen mit offenem Ego – von denen es weit mehr gibt, als Menschen mit definiertem Ego. Ich selbst habe mein definiertes Ego jedoch jahrzehntelang nicht gelebt. Ich habe immer versucht es allen Recht zu machen, und trotzdem wurde mir vorgeworfen, ich setze immer meinen Kopf durch. Diese Diskrepanz habe ich mittlerweile verstanden. Und ich versuche nicht mehr andere glücklich zu machen. Wenn sie ein Problem mit mir haben – ist es deren Problem. Ich mache es nicht mehr zu meinem.

Es gibt Menschen die mich mögen und der Rest kann mir gestohlen bleiben. Seit ich mein definiertes Ego versuche zu leben, sind die Menschen die meine Nähe suchen zwar weniger geworden, dafür sind es aber Menschen die mir gut tun und die mich nicht runter ziehen. Und wenn ich wirklich sage was ich denke, wenn ich mich nicht zurück halte aus Angst andere zu verletzen, dann gibt es immer noch genug Menschen, die mich mögen. Und zwar so mögen wie ich wirklich bin. Auch wenn ich immer wusste wer ich eigentlich war, so tat ich mir immer schwer das auch anderen zu zeigen.

Letztens hat mir jemand, den ich mag, gesagt ich sei total stur. Vor einem Jahr hätte ich versucht meine Aussage abzuschwächen, um seine „Zuneigung“ nicht zu verlieren. Doch jetzt habe ich ihm nur tief in die Augen geblickt und gemeint „Ich weiß. Ich hab auch nie was anderes behauptet.“ Woraufhin er gelacht hat und ging. Doch er kam wieder. Ich habe ihn nicht nachhaltig vergrault. Ich darf ich selbst sein. Es gibt Menschen die mich so mögen. Und ich fühle mich dabei nicht nur befreiter und glücklicher, sondern meine Umwelt reagiert auch viel besser auf mich. Kunststück. Ich tue und sage jetzt Dinge, welche die Menschen sowieso von mir erwarten. Ich wirke authentisch auf die Menschen. Jetzt ist es an mir, diesen Zustand zu behalten. Aber da ich es jetzt weiß, werde ich das auch hinbekommen. Selbsterkenntnis ist schließlich der erste Schritt zur Besserung.

© Libellchen, 2012

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