Selbst & Kommunikation

Ich weiß genau wer ich bin. Wusste ich schon immer. Nur, ich kann es nicht kommunizieren. Gemäß HDM habe ich mein Selbst definiert und die Kommunikation offen. Als ich das erste Mal das weiße, offene Kommunikationszentrum sah, konnte ich nur mehr zustimmend den Kopf schütteln. Ich hatte immer schon Probleme zu kommunizieren. Wenn ich in der Schule eine mündliche Prüfung machen sollte, habe ich immer freiwillig die schlechtere Note genommen. Reden geht gar nicht. Mündliche Prüfungen sind der blanke Horror für mich. Zumindest früher.

Bei offenen Zentren neigt man dazu sich beweisen zu wollen, dass man es doch kann. Auch wenn es nicht so ist. Ich kenne Menschen die mit weit weniger Wissen, bessere Noten bekommen haben, einfach weil sie sich rausgeredet haben. Kollegen die weit weniger geleistet haben, haben mehr bezahlt bekommen, einfach weil sie gut verhandeln konnten. Ich kann das nicht. Und seit ich gesehen habe, dass ich es wirklich nicht kann, ist der Druck weg, mir etwas beweisen zu wollen. Und seitdem ist es auch kein Thema mehr.

Bei Besprechungen spreche ich mittlerweile frei. Früher habe ich meinen Part wortwörtlich vorbereitet – Flexibilität ging dabei gegen Null. Zwischenfragen waren daher immer ein Problem, auch wenn ich die Antwort wusste. Mittlerweile versuche ich nicht mehr perfekte Ansprachen zu halten – erwartet auch niemand. Ich beantworte einfach die Fragen. Es ist echt angenehm wenn man sich nicht dauernd etwas beweisen will. Und ich weiß mittlerweile auch, wie es ist, wenn man jemand findet mit dem man über alles reden kann. Ich kenne mittlerweile ein paar Menschen in deren Gegenwart ich alles sagen kann. Und bei denen wo ich es nicht kann, lasse ich es. Ich muss nicht mit jedem gut Freund sein und mit jedem über alles reden.

Ich habe mittlerweile auch gelernt zu schweigen. Wenn man sich nicht beweisen will, dass man genauso gut reden kann wie andere, dann hat man auch kein Problem mit Gesprächspausen. Früher trieben mich Gesprächspausen oftmals an den Rand der Verzweiflung. Ich suchte dann immer nach Worten, damit mein Gegenüber nicht das Gefühl hat, dass ich nicht ihm oder ihr reden will. Doch je mehr ich suchte, desto weniger fand ich. Heute halte ich einfach den Mund. Entweder ist mein Gegenüber redselig, oder er oder sie ist genauso sprachlos wie ich. Ich mach mir deswegen keinen Stress mehr. Man kann sich auch ohne Worte in der Nähe von einem Menschen wohl fühlen.

Und zu meinem Selbst, ich versuch erst gar nicht euch zu kommunizieren wer ich bin. Ich kenne mittlerweile die selektive Wahrnehmung der Menschen. Jeder Mensch wird mich anders wahr nehmen, je nachdem was er selbst erlebt hat. Und das ist auch in Ordnung. Ich für mich weiß genau was ich will, wer ich bin, kenne meine Stärken und meine Schwächen, weiß was ich mag und was ich überhaupt nicht brauche. Und Dank HDM weiß ich genau, wo sich die Fremdwahrnehmung von der Selbstwahrnehmung unterscheidet. Ich weiß mittlerweile wo und auch warum mich Menschen anders wahr nehmen, als ich mich selber. Aber das ist egal. Ich werde mir immer selbst treu bleiben können, da ich immer schon ganz genau wusste, wer ich bin. Auch wenn mir mein Leben lang, die Menschen erzählen wollten, dass ich ganz jemand anders bin.

Lange Zeit hat es mich gestört dass die Menschen mir sagen wollten, was meine Beweggründe sind, was ich eigentlich wirklich bezwecken will, usw. Früher wollte ich das noch richtig stellen, heute lasse ich die Leute in dem Glauben. Wenn mir heute jemand etwas unterstellt, was nicht zutrifft, stelle ich das nur mehr einmal klar, sollte dann jemand noch weiter mit mir über meinen Charakter, meine Beweggründe, oder was auch immer diskutieren wollen, kann er das gerne alleine vorm Spiegel tun. Gegen selektive Wahrnehmung und Borniertheit kommt man nicht an. Und ich hab diese Diskussionen auch nicht notwendig. Ich hab das Zentrum schließlich definiert, ich muss mir also nichts beweisen…..

© Libellchen, 2012

2 Kommentare zu “Selbst & Kommunikation

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