Urlaub

Ich habe 5 Wochen Urlaub im Jahr, so wie alle anderen auch. Doch ich habe heuer meine Urlaube und auch meine Wochenenden viel mehr genossen, als in den vergangenen Jahren. Und so wirkt es nach außen, als hätte ich mehr freie Zeit als andere. Erst letztens hat mich wieder eine Bekannte gefragt, wie viel Urlaub ich eigentlich habe, denn jedes Mal wenn sie auf Facebook reinschaut, poste ich Bilder von Seen und Bergen.

Ja, ich war heuer viel mehr in der freien Natur als in den vergangenen Jahren. Nach der Arbeit, am Wochenende und natürlich auch im Urlaub. Und auch mit meinen Mädels unternehme ich mehr als früher. Früher trafen wir uns zum Kaffee trinken und gingen anschließend fort, heute machen wir Ausflüge und verbringe schöne Tage in der Natur. Früher hatte ich die Einstellung – man muss arbeiten bis zur Pension, um dann sein Leben genießen zu können – heute meine ich, man sollte wirklich versuchen die Tage zu genießen.

Früher brauchte ich meine Urlaube echt dringend. Ich war in meinem Arbeitstrott gefangen und wenn ich dann mal eine Woche Urlaub hatte, war ich so gerädert, dass ich die ersten beiden Tage meistens erschöpft auf meiner Couch verbrachte. Ich lies mich von der Arbeit auslaugen und am Wochenende ging ich dann oftmals fort und lenkte mich ab. Ich lebte einfach dahin. Das einzige Highlight war oftmals eine Urlaubswoche im Jahr, wo ich wirklich irgendwohin fuhr. Doch den Rest des Jahres war ich in meinem Alltag gefangen. Und ich fand es auch noch gut, da ich Angst vor Veränderungen hatte. Somit war mein Alltag ein Stück Sicherheit.

Doch heuer hab ich das geändert. Ich fuhr im Sommer nach der Arbeit an den See, begann am Wochenende mit Mädels, oder auch alleine, wandern zu gehen, und mit einer Freundin geh ich fast jede Woche ins Hallenbad schwimmen. Ich unternehme mehr, ich genieße mehr und der Alltag laugt mich nicht mehr so aus. Ich brauche meinen Urlaub nicht mehr so dringend, da ich die Zeit zwischen den Urlauben, besser nutze.

Die Bekannte die ich vor kurzem getroffen habe, beneidete mich um mein neues Leben. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie man soviel freie Zeit haben konnte, wenn man doch nur 5 Wochen Urlaub hat. Dabei könnte sie das auch haben. Sie könnte ihre Zeit auch mehr genießen, wenn sie ihre Einstellung ändern würde. Doch das ist ihre Sache. Sie ist noch nicht so weit. Sie verbringt ihre freie Zeit mit einem Nebenjob. Sie will Geld ansparen für eine größere Wohnung und ein schöneres Auto. Sie hat im Moment 2 Jobs um irgendwann mal, genug zu haben um ihr Leben genießen zu können. Die Geschichte vom „mexikanischen Fischer“ fiel mir wieder ein.

Viele Menschen können ihr Leben nicht genießen. Lange gehörte ich auch dazu. Bei meiner Erziehung wurde mir mitgegeben, dass das Leben aus Arbeit und Aufopferung zu bestehen hat. Genuss kam da nie vor, zumindest nicht vor der Pension. Lange hatte ich Probleme mit dieser Einstellung. Ich fand einfach keinen Sinn in diesem Leben. Waren wir wirklich nur auf dieser Welt um zu arbeiten? War Aufopferung unser Lebensziel? Für mich fühlte sich das nicht stimmig an. Mir fehlte da einfach etwas. Doch jetzt hab ich den Genuss für mich entdeckt und plötzlich passt es zusammen. Erst letztens hab ich wieder einen Satz gehört, leider weiß ich nicht mehr wo

„Die Menschen opfern ihr Leben lang ihre Gesundheit um viel Geld zu verdienen, um dann im Alter, das ganze Geld dafür aufzuwenden, um in ihre Gesundheit zu investieren“ ,

der da genau reinpasst. Wir machen das weil wir so erzogen worden sind, doch muss es wirklich so sein, oder ist es nicht vielleicht doch unsere Aufgabe, einen Mittelweg zu finden?

© Libellchen, 2011

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