Persönlich

Entweder werden die Hinweise deutlicher oder ich lerne schön langsam sie besser und schneller wahrzunehmen. Wenn ich nicht alle Grundlagen zu einer Sache habe, bin ich verunsichert. Ich halte dann lieber ganz den Mund, als mit Halbwahrheiten hausieren zu gehen. Entweder bin ich mir meiner Sache sicher oder ich kommuniziere, dass ich es nicht genau weiß. Vor ein paar Tagen hat eine Freundin etwas zu mir gesagt, wo ich wusste, dass ihre Sicht nicht ganz richtig ist, doch mir fehlten einfach die Argumente. Also hab ich nix gesagt und fühlte mich unwohl. Ich hatte versagt. Keine richtigen Worte, zur richtigen Zeit. Sondern einfach gar nix.

3 Tage später spricht mich jemand anderes auf genau dasselbe Thema an, nur nicht direkt. Diesmal empfand ich es nicht als Angriff, sondern es ging um etwas anderes, was aber auch auf genau das Gespräch mit meiner Freundin passte. Doch da es diesmal nicht direkt angesprochen wurde, hatte ich auch plötzlich die nötigen Argumente zur Hand. Ich hätte sie eh auch schon 3 Tage vorher parat gehabt, doch da wollten sie einfach nicht über meine Lippen, da ich das von ihr gesagte, als persönlichen Angriff empfand. Ich nehme Dinge persönlich. So war ich schon immer und auch wenn ich daran arbeite, werde ich es wohl nie ganz abstellen können, da es einfach ein Teil meiner Persönlichkeit ist. 

Ich will es auch nicht immer abstellen. Es gibt Situation wo ich mich bewusst dafür entscheide es persönlich zu nehmen. In anderen Situationen wiederum versuche ich, auch eine andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nicht alles was jemand tut und nicht gut ist für mich, ist gegen mich gerichtet. Früher sah ich keine Wahl. Früher nahm ich Dinge einfach persönlich und Punkt. Wenn mich ein Mann verlässt und sagt, ich soll es nicht persönlich nehmen. Geht nicht. Er will ja mich nicht mehr. Ich bin ja nicht gut genug. Ich habe versagt. Ich habe nicht genug gegeben. Dass er vielleicht nicht Beziehungsfähig ist, dass kam mir nie in den Sinn. Selbst wenn er es kommuniziert hat, habe ich die Schuld trotzdem bei mir gesucht. Heute sehe ich das anders. Menschen sind wie sie sind und entweder passen sie zueinander oder eben nicht. Doch deswegen ist nicht einer mehr und der andere weniger wert. Mittlerweile gestehe ich mir zu, nicht immer die Schuld bei mir zu suchen.

Das ist die bewusste Seite. Doch was ich bisher noch nicht gemerkt hatte war, dass ich Dinge auch unbewusst persönlich nehme. Wenn ich von einem Produkt überzeugt bin und jemand erklärt mir mein Produkt ist Scheiße, dann nehm ich das persönlich. Ich fühle mich dann persönlich angegriffen. Mein Produkt ist Scheiße – ich bin Scheiße. Meine Idee ist Scheiße – ich bin Scheiße. Ich nehme Dinge auch unbewusst persönlich und mache mich automatisch klein und verstumme. Das ist auch ein Grund warum ich mich lange Zeit versteckt habe. Mich nicht zeigte. Keine Ideen kommunizierte. Wenn ich einen Vorschlag gemacht habe und der von den anderen abgeschmettert wurde, fühlte ich mich sofort wieder nutzlos, wertlos und verkroch mich. Wenn man sich unsichtbar macht, kann man auch nicht zurück gewiesen werden und wenn man nicht zurück gewiesen wird, kann man es auch nicht persönlich nehmen. Mittlerweile nehme ich nicht mehr alles persönlich. Ich habe gelernt auch mit Kritik umzugehen, ohne mich zu verkriechen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich auch den Blog nicht mehr. Und auch wenn ich da mittlerweile schon auf einem Recht guten Weg bin, fehlen mich doch noch hin und wieder die richtigen Argumente.

© Libellchen, 2011

2 Kommentare zu “Persönlich

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