Spiel

Vor Jahren hat mal jemand zu mir gesagt „Das Leben ist ein Spiel“. Meine Antwort damals war „Jo sicher. Also mein Leben war noch nie ein Spiel. Eher ein Kampf.“ Woraufhin mir mein Gegenüber damals erwidert hatte „Aber nur weil du nicht weißt, wie man das Spiel spielt“. Ich habs nicht verstanden. Damals. Vor kurzem hat mir jemand anderer wieder gesagt „Das Leben ist ein Spiel“. Diesmal war meine Antwort „Jo eh, und es macht irre viel Spaß!“ Ich weiß jetzt nämlich wie man es spielt. Fokussiert aufs Ziel weicht man einfach allen Fouls aus. Und das Ziel ist ein glückliches Leben.

Und wie kann ich ein glückliches Leben führen? Indem ich es genieße. Ich konzentriere mich auf die positiven Aspekte und weiche allen Fouls aus. Lange Zeit wollte ich das Spielfeld nicht betreten, aus Angst vor den Fouls. Die Angst war auch begründet, denn lange Zeit war ich das schwächste Glied in meinem eigenen Team. Ein leichtes Ziel für den Gegner. Doch jetzt nicht mehr. Jetzt interessiert mich der Gegner nicht mehr. Wichtig sind nur noch die Teammitglieder und das gemeinsame Ziel, glücklich zu sein.

Hin und wieder erscheint ein Gegner in meinem Blickfeld, doch bevor er mich noch foulen kann, bin ich auch schon weiter. Ich muss mich nicht mehr jedem Gegner stellen. Es ist mein Spiel und das spiel ich nach meinen Regeln. Wenn es ein Gegner schafft, sich mir in den Weg zu stellen, setz ich mich mit ihm auseinander. Doch wenn ein Gegner von der Seite oder von hinten kommt und mich nicht einholen kann, bleib ich nicht stehen und warte. Eh klar? Für mich erst seit kurzem. Ich hab das Spiel früher nach den Regeln der anderen gespielt. Ich hab mein Leben nach den Vorstellungen anderer gelebt. Jetzt nicht mehr. Mein Spiel, meine Regeln.

Dazu gehört auch, dass sich mein Team jederzeit verändern kann. Kommt jemand dazu freu ich mich. Will jemand nicht mehr mitspielen, lass ich ihn gehen. Ist jemand verletzt, wird er von den restlichen Teammitgliedern verarztet. Hat jemand eine gute Idee für den weiteren Spielverlauf, wird diese ausprobiert. Das wichtigste ist, den Spaß am Spiel zu behalten.

Die letzten Monate habe ich mich so sehr auf das Spiel konzentriert, dass ich gar nicht gemerkt hatte, dass die Gegner immer weniger geworden sind. Wahrscheinlich auch deshalb weil ich kein leichtes Ziel mehr bin. Hin und wieder kommt zwar jemand von der Seite auf mich zu, doch meistens bin ich vorbei, noch bevor mich der Gegner erreicht hat. Doch in den Weg gestellt hat sich schon längere Zeit niemand. Wahrscheinlich weil ich keine Angst mehr davor habe. Ich weiß nämlich dass mir nichts weiter passieren kann. Natürlich kann mich jemand foulen und ich kann hinfallen. Doch ich hab ja meine Teammitglieder, die würden mir jederzeit wieder aufhelfen.

© Libellchen, 2011

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