Teddy – Kapitel 7

…Fortsetzung von

Das Gemeinschaftsleben hatte sich normalisiert. Die Bungalows waren eingerichtet, Obst und Gemüse war gepflanzt und jeder hatte sich seine Aufgaben ausgesucht. Teddy hatte den Monat großteils in ihrem Garten verbracht. Sie hatte an der Grenze zu Chrisuls Garten, auf der kleinen Lichtung, eine Feuerstelle errichtet. Die Jungs hatten ihr dazu Bänke gezimmert und aufgestellt und rund um die Lichtung hatte sie Blumen gepflanzt. Zwischen den Bäumen hatte sie mehrere Hängematten montiert und vereinzelt hatte sie Windspiele aufgehängt. Und sie hatte einen kleinen Pfad gelegt. Sie hatte weiße Steine vom Seeufer genommen und sie als Begrenzungssteine verwendet. Der Pfad begann bei ihrer Terrasse, führte durch ihren Garten, an der Feuerstelle vorbei, durch Chrisuls Garten und endete direkt am Aufstieg zum Berg.

Auf ihrer Terrasse hatte sie eine Gemeinschaftsschaukel aufgestellt und einen großen Tisch und Sessel. Doch nicht nur ihre Terrasse war ausgerichtet möglichst viele Menschen unterzubringen. Alle Terrassen waren ähnlich hergerichtet. Jeden Tag konnten sie so gemeinsam frühstücken, und zwar jeden Tag auf einer anderen Terrasse. Das gemeinsame Frühstück hatte sich eingebürgt und wurde jeden Morgen andächtig zelebriert. Nachdem Frühstück ging dann jeder seinen Aufgaben nach. Auch Teddy hatte sich ihre Aufgaben selbst ausgesucht. Zum einen schrieb sie die Tageszusammenfassungen fürs Internet und vor ein paar Tagen hatte sie außerdem damit begonnen, Gute Nacht-Geschichten für die Kleinsten zu schreiben, welche sie abends auch den Kindern vorlas. Außerdem bewirtete sie die Menschen, die in ihrem Garten die Seele baumeln ließen und sie hatte sich freiwillig für den Abwasch gemeldet.

Sie hatten die Bungalows in 4 Gruppen zu je 10 Häusern eingeteilt. Und in jeder dieser Gruppen gab es einen der kochte, einen der putzte, einen der für den Abwasch zuständig war, einen der Rasen mähte, usw. Und jeder hatte sich eine Aufgabe ausgesucht, die er oder sie übernehmen wollte. Und Teddy hatte sich fürs abwaschen entschieden. Sie war von der leitenden Angestellten zur Abwäscherin aufgestiegen. Früher war sie gependelt und hatte sich mit ihren Mitarbeitern herumgeärgert, heute arbeitet mehr oder weniger zu Hause und hatte sehr viel Zeit ihrer eigentlichen Leidenschaft dem Schreiben, nachgehen zu können. Ihrer Pendelstrecke hatte sich von 50 km auf max. 8 Häuser reduziert. Ihr Leben hatte eine ganz andere Qualität dadurch bekommen. Sie fühlte sich die ganze Zeit, als hätte sie Urlaub. Ihr Hobby war ihr Beruf und den Abwasch erledigte sie zwischendurch. Ihr Leben richtete sich nicht mehr nach ihrer Arbeitszeit, sondern nach ihrer Kreativität.

Früher hatte sie arbeiten müssen um Geld zu verdienen, um sich eine Wohnung leisten zu können und zum Beispiel Handwerker bezahlen zu können. Nun für ihren Bungalow musste sie nichts bezahlen und wenn sie einen Handwerker brauchte, ging sie einfach ein paar Türen weiter. Jeder trug seinen Teil bei und so lebten sie gemütlich dahin. Natürlich gab es Dinge die außerhalb ihrer Möglichkeit lagen. Sie brauchten Strom, Wasser, Müll musste entsorgt werden und so war die Gemeinschaft von vielen Menschen außerhalb ihrer kleinen Runde abhängig. Doch das kostete kein Geld mehr. Die Menschen die zum Beispiel den Strom zur Verfügung stellten, wohnten selbst in kleinen Gemeinschaften, wo sie alles bekamen was sie brauchten und die Gemeinschaft von Teddy bekam den Strom umsonst. Als Gegenleistung dafür stellten sie ihre künstlerischen Errungenschaften, den Rest der Welt ebenso kostenlos zur Verfügung.

Als Teddy genauer darüber nachdachte, wurde ihr bewusst, dass sie in einer Künstlerkolonie gelandet war. Jeder hier hatte ein spezielles kreatives Talent. Es gab Schriftsteller, wie Teddy, aber auch Maler, Designer, Musiker, Tänzer und noch vieles mehr. Sie war umgeben von Künstlern, wieso merkte sie das erst jetzt? Es war so offensichtlich und selbstverständlich gewesen, dass sie es gar nicht gemerkt hatte. Die Gemeinschaft in der sie lebte, produzierte Kunst und stellte sie übers Internet der ganzen Welt zur Verfügung. Dafür erhielten sie von anderen Gemeinschaften, frisches Wasser, Strom, ihr Müll wurde entsorgt, usw. Die Welt hatte sich neu eingerichtet. Die Menschen weltweit, hatten ihre Bestimmung gefunden und gingen ihr nach.

© Libellchen, 2011

und weiter gehts…

2 Kommentare zu “Teddy – Kapitel 7

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