Ziele

Braucht der Mensch Ziele im Leben? Oder reichen doch Wünsche? In letzter Zeit bin ich des öfteren schräg angeschaut worden, als ich kommuniziert habe, dass ich mir keine Ziele mehr stecken will. Dazu muss ich sagen, ich habe ein offenes Wurzelzentrum und ich bin Steinbock. Das heißt ich bin nicht nur stur, sondern ich mache mir auch einen irrsinnigen Druck, ein von mir selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Und ich kann euch sagen es ist die Hölle. Wenn mein Wurzelzentrum zuschlägt in Verbindung mit meinen Steinbock-Genen, gibt es kein schlafen mehr. Da wird dann nur mehr gegrübelt und geschwitzt. Gegrübelt um herauszufinden wie ich das von mir gesteckte Ziel erreichen kann und geschwitzt, weil ich es nicht schaffe. Denn je mehr ich etwas will, desto weniger bekomme ich es.

Das sind die Erfahrungen der letzten 30 Jahre. Ich will etwas, ich bekomm es nicht. Ich grübel und krieg keinen Schlaf und versuche doch noch einen Weg zu finden und wenn es nicht funktioniert, beginne ich unrund zu werden. Ich schwitze und zicke. Der Druck, mein ganz eigener, wird zu einer zentnerschweren Last. Und da ich das nicht mehr will, stecke ich mir keine Ziele mehr. Doch, ein Ziel habe ich, ich will glücklich sein. Nicht irgendwann, sondern heute. Und so versuche ich die Tage zu nutzen. Ich lebe nicht jeden Tag, als wäre er mein letzter, sondern so dass wenn er es wäre, ich glücklich sterben würde.

Und nein, es funktioniert nicht jeden Tag. Doch sehr viel häufiger als früher, als ich noch Ziele hatte. Viele Menschen verstehen diese Haltung nicht. Doch die stecken auch nicht in meiner Haut. Es gibt Menschen die brauchen den Druck, um überhaupt in die Gänge zu kommen, ich jedoch mache mir mein Leben damit nur unnötig schwer. Doch ich habe Wünsche. Natürlich gibt es Dinge, die ich gern hätte. Doch wenn ich es als Wunsch formuliere, ist es ein Auftrag ans Universum. Wenn ich dasselbe als Ziel definiere, ist es der Auftrag an mein offenes Wurzelzentrum mir das Leben schwer zu machen.

Und so formuliere ich nur mehr Wünsche und keine Ziele mehr. Das ist mein Weg. Denn muss niemand sonst so gehen, doch es wäre schön, wenn die Menschen akzeptieren könnten, dass ich nur mehr ein Ziel habe. Das Ziel „Glücklich zu sein.“ Alles andere überlasse ich dem Universum. Ich konzentriere mich darauf mein Leben zu genießen und zwar richtig. Als ich letztens gefragt wurde, was es neues gibt, meinte ich nur „ich habe gelernt mein Leben zu genießen.“ Die Antwort hat mich überrascht, den mein Gegenüber meinte, „das machst du ja eh schon immer.“ Wobei immer in diesem Fall 6 Jahre sind, den vorher kannte mich die Person nicht. Und nein, das mach ich nicht schon immer.

Ich habe erst in den letzten Jahren gelernt, mir etwas zu leisten. Etwas für mich zu tun. Geld nur für mich auszugeben. Und erst seit wenigen Monaten, kann ich das, ohne schlechtes Gewissen zu haben. Natürlich hat das schlechte Gewissen niemand gesehen, doch für mich macht es einen riesigen Unterschied. Jetzt kann ich Geld für mich ausgeben, ohne mich dafür selbst zu verteufeln. Wobei das was ich heute, an einem Tag auf den Kopf geworfen habe, war schon nicht mehr schön. Andererseits war es für mein Wohlbefinden und für meine Gesundheit. So gesehen hatte ich kein schlechtes Gewissen, obwohl ich kurzfristig unter Schock stand. Und in Bezug auf meine heutigen Ausgaben, hab ich auch noch einen Wunsch ans Universum „Viele trockenen Wochenenden im Herbst.“

© Libellchen, 2011

4 Kommentare zu “Ziele

  1. Libellchen, ich muss immer wieder lachen, wenn ich dich lese und was auch noch besonders ist, ich bin erstaunt über die Entwicklung, die du als so „junger“ Mensch jetzt schon durchläufst. Mein ältester Sohn überrascht mich auf eine ähnliche Weise auch immer wieder.
    Welch eine Weisheit steckt schon jetzt in euch.
    Was die Ziele angeht lebe ich ähnlich, wobei auch mir dieses Wurzelzentrum immer wieder Probleme macht.
    Vorschläge anderer Menschen, vorallem wenn sie mit Begeisterung und Überzeugungskraft formuliert werden, verursachen bei mir auch einen starken Druck, zuweilen. Es dauert dann einen Moment bis ich begreife, dass die Wünsche, Lebensweisen und Begeisterungen anderer Menschen von mir nicht pflichtbewusst mit ebensolcher Begeisterung aufgenommen werden müssen.
    Ich darf „Nein“ sagen, ich darf anders sein. Das zu leben fällt mir manchmal unglaublich schwer.
    Wünsche habe ich und auch Ziele, aber es sind dann meine Ziele und deren Erreichen ist an keinen Plan gebunden und auch an keine Zeit.
    Ich hatte das Ziel von der Bulimie weg zu kommen und es hat vier Jahre gedauert, und plötzlich war sie verschwunden.
    Ich hatte das Ziel ohne R. weiter zu leben. Es hat dann ca. 4 Jahre gedauert, jetzt ist er weg, nicht gänzlich aus meinen Gedanken, aber aus meinem realen Leben.
    Ziele werde ich immer haben, aber es sollen meine, von mir entworfenen Kreationen sein und sie dürfen absolut schräg sein und ich darf es dem Universum überlassen mir den Weg dort hin zu weisen.
    Ich habe mir mal ein Haus gewünscht, in dem ich und meine Familie glücklich werden kann und hab´s dem Universum überlassen. Was hab ich bekommen?
    Ich bekam einen Wohnwagen, einen sehr großen mit einem wunderschönen Platz mitten im Wald und die Wochenenden und Urlaube dort waren grandios. 🙂 Das Universum weiß schon, was passt,
    Mein nächstes Ziel ist es einen Partner an meiner Seite vorzufinden mit dem ich alt werden kann, von dem ich sicher weiß er liebt mich. Bin gespannt was ich kriege, könnte ebensogut ein Hund sein *kicher*

    • Liebe ebsonnenstern!

      Vielen Dank für die Blumen 🙂 Ich seh mich zwar nicht als weise, aber ich hab kein Problem wenn andere das tun. Offensichtlich ist es jetzt Zeit für mich. Lange habe ich einfach dahingelebt ohne meine Ambitionen zu hinterfragen. Jetzt tue ich es, und die Nebel lichten sich.

      Zu deinem Ansatz bezüglich Ziele, kann ich nur sagen „Hauptsache es funktioniert!“ Jeder muss seinen eigenen Weg finden, so wie ich jetzt auch meinen gefunden habe. Und jeder Mensch ist ja auch anders. Es gibt auch genug Menschen die Ziele unbedingt brauchen. Das Zauberwort ist halt auch hier Toleranz. Ich versuche ja immer alle Menschen so zu lassen wie sie sind und mittlerweile fordere ich dasselbe auch für mich ein. Die Menschen die mich mögen, werden akzeptieren können, dass ich mir keine Ziele mehr stecken mag, und auf alle anderen kann ich getrost verzichten.

      Wünsch dir noch ein schönes Wochenende

      LG Libellchen

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