Wiedersehen

Ich habe mich gestern mit einer Freundin getroffen, die ich schon sehr lange nicht gesehen hatte. Wir haben uns zwar immer wieder gehört und sie hat auch die ganze Geschichte mit dem süßen Typen mitbekommen, doch wir haben uns schon mehrere Monate nicht gesehen. Als wir uns das letzte Mal gehört haben, habe ich ihr den Link zu diesem Blog gegeben und sie hat auch ein wenig reingelesen, wie sie mir gestern gesagt hat.

Und sie macht sich Sorgen weil ich mich so sehr verändert habe. Weil ich nicht mehr so lebenslustig und optimistisch bin wie früher. Wobei ich mich selbst nie für optimistisch gehalten habe und lebenslustig wäre jetzt auch nicht gerade das erste was mir zu mir eingefallen wäre. Und sie fand auch die Wahl meiner Worte hart. Ich war total fasziniert von dem Gespräch.

So wie sie mich in den letzten Jahren gesehen hat, so habe ich mich selbst Zeit meines Lebens nicht wahrgenommen. Ich war nie besonders lebenslustig, im Gegenteil ich habe sehr lange am Abgrund balanciert. Aber offensichtlich habe ich meine Verzweiflung, meine Einsamkeit, meine Verlorenheit, tatsächlich sehr gut verborgen. Meine Fassade hat funktioniert. Doch was mir am aller besten gefallen hat, war dass sie meinte meine Formulierungen wären ungewohnt hart. Weil ich weiß ja dass die Gedanken in meinem Kopf immer schon so knallhart waren, doch ich habe aufgrund meiner Harmoniesucht und meiner anerzogenen Verhaltensweisen, immer versucht niemanden zu verletzen. Ich habe meine Gedanken immer „weich gespült“ bevor sie meinen Mund verlassen haben. In letzter Zeit habe ich auch gemerkt, dass viele meiner Botschaften beim Empfänger gar nicht angekommen sind. Wahrscheinlich genau deswegen.

Ich habe offensichtlich verlernt mich klar auszudrücken. Beim Schreiben kann ich es aber. Weil da sprech ich ja niemanden direkt an. Beim Schreiben bin ich so klar, wie ich es in meinem Kopf immer schon war. Jetzt muss ich nur wieder lernen mich auch bei der mündlichen Kommunikation besser auszudrücken. Ich habe ja nichts davon wenn die Menschen meine Botschaften gar nicht verstehen. Da brauch ich gleich gar nicht mit ihnen reden.

Ich beschäftige mich ja schon seit längerem mit dem Unterschied zwischen dem Selbstbild und der Fremdsicht, doch dass der Unterschied da so groß ist dazwischen, das war mir bis gestern nicht bewusst. Natürlich hat sie Recht damit dass ich mich verändert habe. Wäre ja auch komische wenn nicht. Habe genug erlebt und mir anhören dürfen die letzten Monate. Klar dass das nicht spurlos an mir vorüber gegangen ist. Doch ihre Sorgen sind unbegründet, so gut wie im Moment ging es mir im letzten halben Jahr nicht.

Was sie auch gemerkt hat und wo sie auch Recht hat, ich bin in meinen Ansichten härter geworden. Ich habe beschlossen mich nicht mehr ausnutzen zu lassen. Ich werde nicht mehr, mehr geben als nehmen. Ich werde mehr auf meine Wünsche achten und meine Zeit nur mehr jenen Menschen schenken, wo ich auch etwas zurück bekomme. Doch ich stehe erst am Anfang des neuen Weges. Ich werde mich wahrscheinlich in nächster Zeit noch mehr verändern. Mal schauen was sie sagt, wenn wir uns in ein paar Monaten das nächste Mal sehen.

Ach und Süße falls du das hier liest. Sorry! Ich weiß du wolltest dich nicht auf diesem Blog wiederfinden. Aber Menschen die meinen Geist anregen werden hier nun mal verewigt!

© Libellchen, 2011

2 Kommentare zu “Wiedersehen

  1. ich finde es gut, wenn man sich verändert.
    und ich finde nichts bedenklicher, als wenn man nach jahren noch immer die gleichen ansichten hat. das kann eigentlich gar nicht sein, man verändert sich mit jeder begegnung, mit jedem erlebnis.
    trauer und freude hinterlassen einfach spuren. man beschäftigt sich mit themen, wägt für und wider ab, man entwickelt sich weiter.
    und wer da nach jahren noch die gleichen ansichten hat, ist einfach nur eingerostet…

  2. Liebes Libellchen,

    Reflexion ist ein ganz gutes Instrument um sein Denken und Handeln zu hinterfragen. Auch wenn ich nichts wirklich hartes an deinen Worten finde, aber mir fehlt auch der Vergleich. Ich empfinde deine Worte hier ehrlich, maskenlos, so wie das Leben sein sollte.
    Der Blick hinter die Maske gefällt vielen nicht, deshalb ist es manchmal einfacher sie oben zu lassen.
    Dass es dir jetzt besser geht, ist alles was zählt! 🙂

    Liebe Grüße,
    dreams

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