Heimkehr

Als das Libellchen zu Hause ankam, weckte sie ihren Mitbewohner und seine Freundin. Mit ihrer Ankunft hatten sie nicht gerechnet. Na eh sie auch nicht. Sie war wieder zu Hause. Obwohl zu Hause fühlte sie sich hier nicht. Aber sie konnte jetzt eh nichts daran ändern. Sie war wieder da. Und ab sofort würden sie zu dritt auf 50 m² wohnen. Doch das war dem Libellchen momentan ganz egal. Sie stand unter Schock.

Sie hatte sich wieder mal getäuscht. Hatte 1 ½ Jahre ihres Lebens an einen Menschen vergeudet, der eine andere wollte. Hatte eine Beziehung geführt, an der nur sie selbst wirkliches Interesse hatte. Sie saß in ihrer Küche und heulte. Ihre 2 Mitbewohner kümmerten sich um sie. Die neue Freundin ihres besten Freundes kannte sie schon länger, wenn auch nicht wirklich gut. Aber das konnten sie ja jetzt ändern. Sie würde nicht so bald wieder weg gehen.

Den Rest des Tages verbrachte das Libellchen heulend im Bett. Am Abend standen dann noch andere Freunde vor der Tür. Es hatte sich bereits herum gesprochen. Sie hatte wieder mal versagt. Hatte sich wieder mal getäuscht. Hatte sich einmal mehr verarschen lassen.

Der 2. Freund brachte seine unsensible Freundin mit. Dass die 2 immer noch zusammen waren, grenzte an ein Wunder. Sie war so egoistisch und zickig. Aber trotzdem hatte sie jemanden gefunden, der bei ihr blieb. Das konnte das Libellchen von ihr selbst nicht behaupten. Sie war die Notlösung für die Männerwelt. Der Lückenbüßer. Die Übergangslösung. Einfach nicht gut genug, dass jemand länger bei ihr bleiben wollte.

Und schon heulte sie wieder los. Da meldete sich die unsensible Bekannte zu Wort. „Ich würd dich so gern trösten. Vielleicht muntern dich ja ein paar Neuigkeiten auf. Ich bin schwanger und wir werden im Mai heiraten. Willst du vielleicht meine Brautjungfer werden?“ Die war ja echt noch unsensibler als das Libellchen bisher geglaubt hatte. Irgendwie schaffte sie es trotzdem den Abend zu überstehen ohne jemanden zu beleidigen. Als die 2 dann endlich gegangen waren, verschwand das Libellchen wieder in ihrem Bett. Das Leben konnte sie mal. Sie hatte es satt, immer nur die Blöde zu sein.

Die nächsten Monate verbrachte sie im Bett. Zumindest wenn sie zu Hause war. Sie ging zwar weiterhin arbeiten, aber das Leben zog an ihr vorbei. Sie vegetierte dahin. Bis sie im September erfuhr, dass ihr Ex geheiratet hat. Na dass war jetzt aber schnell gegangen. Im Jänner hatte sie noch bei ihm gewohnt und jetzt hatte er endlich bekommen was er wollte. Seine große Liebe! Diese Info gab ihr den Rest. Wieso schaffte es jeder in ihrer Umgebung glücklich zu werden, nur sie nicht? Was machte sie bloß falsch? Wahrscheinlich war das Glück in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen.

War sie verdammt, den Rest ihres Lebens alleine zu bleiben?. Wahrscheinlich. Sie war übrig geblieben. Rund um sie herum heirateten die Menschen. Trennten sich und fanden neue Partner, nur sie wollte niemand. Sie war zu groß, zu dick, zu intelligent, zu stark, zu selbständig, …..

Und so vegetierte sie 2 Jahre dahin. Funktionierte wie man es von ihr erwartete.

2 einsame Jahre voller Selbstmitleid und Verzweiflung

2 Jahre wo ihre biologische Uhr so laut tickte, daß das Libellchen keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte.

2 Jahre voller Tränen

2 Jahre die ewig dauerten

2 Jahre bis zu jenem Moment, wo plötzlich er vor ihr stand.

Der süße Typ der ihre kleine Seele erweckte und ihr die Hoffnung zurück gab!

© Libellchen, 2011

2 Kommentare zu “Heimkehr

  1. ich wusste, gar nicht, dass der ex dann seine große liebe geheiratet hatte. das hast du mir nie erzählt. find ich voll arg, wenn nicht sogar extrem.
    lg

    • Das war sozusagen das Tüpfelchen auf dem „i“. War kein tolles Gefühl damals. Aber was solls. Ich habs nur arg gefunden, weil er im Jänner noch zu mir gesagt „Und was machen wir jetzt?“ Und ich dann im Prinzip den Schlußstrich gezogen hab. Wär ich da nicht gegangen, hätt er sie dann 8 Monate später auch nicht geheiratet.

      Das Leben ist schon sehr „eigen“ zeitweise.

      LG

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