Zufall

Das Libellchen war auf dem Weg nach Hause. Und während sie so durch die Gegend fuhr, dachte sie über den Zufall nach. Es gab so viele Zufälle auf dieser Welt, doch heute hatte sie wieder einen ganz besonderen erlebt. Und dieser Zufall hatte ihre anfänglichen Zweifel bezüglich ihrer Beziehung wieder erweckt.

Sie war von ihrer Arbeit aus auf einem Kurs. Und heute hatte sie sich mit einer Kurskollegin bei einer Zigarette in der Kälte unterhalten. Sie kannten sich schon seit 2 Wochen, doch bisher hatten sie noch nicht wirklich miteinander gesprochen. Doch heute hatte es sich ergeben. Ihre Kurskollegin wußte natürlich auch wo sie arbeitete und sie fragte sie ob sie eine gewisse „Dame“ kennen würde, da diese früher in derselben Firma gearbeitet hatte als das Libellchen.

Das Libellchen kannte diese „Dame“ zwar nicht persönlich, doch sie hatte von ihr gehört. Jeder hatte ihr schon eine Geschichte über die Frau erzählt. Wenn auch nur die Hälfte davon stimmen würde, hatte die nix anbrennen lassen. Die Firma hatte sich angeblich auch von ihr getrennt, weil sie nicht mehr tragbar war. Doch das waren alles nur Gerüchte und interessierten das Libellchen nicht weiter.

Doch was sie interessierte war, daß ihr Freund diese „Dame“ mit einem Blumenstrauß besucht hatte. Und zwar vor 2 Monaten. Und da diese „Dame“ nichts von ihm wollte, hatte sie versucht die Kurskollegin von Libellchen, die ihr gerade fragend in die Augen blickte, mit ihm zu verkuppeln. Was ist passiert? Das war jetzt nicht wirklich wahr, oder? Ihr Freund mit dem sie jetzt 1 ½ Jahre zusammen war, hat vor 2 Monaten einer Frau einen Blumenstrauß vorbei gebracht, die den Ruf hat, mit jedem Mann ins Bett zu springen, der nicht bei 2 auf den Bäumen ist. Und er hätte mit der Frau verkuppelt werden sollen, die gerade vor ihr stand.

Dem Libellchen stand der Mund offen. Was war noch mal die Frage gewesen? Ach ja, ob sie den Mann kannte. „Ja, das ist seit 1 ½ Jahren mein Freund“ erwiderte das Libellchen. Jetzt war es an ihrem Gegenüber mit offenem Mund dazustehen. „Aber wieso hat er nicht gesagt daß er eine Freundin hat und überhaupt, was wollte er dann mit Blumen grad bei der?“ Ja das waren alles sehr gute Fragen, doch die würde sie ihm am Abend schon noch stellen.

Zu Hause angekommen, wurde sie schon erwartet. Wie ihr Tag war wollte er wissen. „Aufschlußreich“ erwiderte sie. Was er so getan hatte unter Tag wollte sie wissen. „Nichts weiter, war den ganzen Nachmittag zu Hause“ war seine Antwort. „Bist du dir da sicher?“ fragte das Libellchen nach. „Was soll die Frage, hab ich dich schon mal angelogen?“ Ein verschlagenes Lächeln zauberte sich auf Libellchens Gesicht „Da bin ich mir sicher.“ Jetzt stand sein Mund offen. „Wieso hast du mir nicht gesagt, daß du vor 2 Monaten mit Blumen bei der „Dame“ vorbeigeschaut hast. Und warum hast du das eigentlich getan und dabei vergessen zu erwähnen, daß du in festen Händen bist?“

„Ach, das war doch nur ein Anstandsbesuch“ wiegelte er ab. „Ich habe gehört daß es ihr nicht gut geht, und weil sie Geburtstag hatte, wollte ich sie ein wenig aufmuntern. Ich kenn sie ja schon ewig.“ Das Libellchen hatte noch gar nicht gewußt, daß ihr Freund so ein Menschfreund war. „Und wenn da nichts weiter war, wieso hast du mir dann nicht davon erzählt? Hast du mir an dem Tag, als ich dich gefragt habe was du getan hast, nicht ins Gesicht gelogen?“ „Ich wollte halt nicht, daß du dich aufregst.“ „Das hast du geschafft, dafür reg ich mich aber jetzt auf!“ das Libellchen merkte ihre innere Anspannung. Von ihrer Kurskollegin wußte sie ja, daß er die Blumen abgeliefert hatte, einen Kaffee getrunken hat und wieder gefahren war. Es war also nix passiert, aber er hatte sie angelogen. Und das war echt kein gutes Gefühl.

Sie diskutieren noch eine Weile rum und das Libellchen nahm ihm das Versprechen ab, in Zukunft nichts bewußt vor ihr zu verschweigen. Daß er sie angelogen hatte, verzieh sie ihm, er dürfte ja jetzt gemerkt haben, daß es keine gute Idee war sie anzulügen. Okay, heute hatte ihr der Zufall geholfen draufzukommen, aber vielleicht war es ihm trotzdem eine Lehre.

Doch auch wenn alles ausgesprochen war und sie auch beschlossen hatte ihm zu verzeihen, so blieb doch ein Stachel des Zweifels zurück. Eines hatte sie heute nämlich auch erfahren. Er konnte irrsinnig gut lügen.

© Libellchen, 2011

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