Meine kleine Seele – Beginn und Ende?

Die kleine Seele war keine mutige Seele. Im Gegenteil, sie war ihr Leben lang sehr vorsichtig. Sie wußte immer wenn sie sich zu sehr auf jemanden einließe, würde sie früher oder später verletzt werden. Das hatte sie schon so oft bei ihrer Freundin und Nachbarin, dem Herzen, beobachten können. Ihre Freundin hatte schon so oft vor Freunde Luftsprünge gemacht um einige Zeit später ganz traurig und verletzt zu sein. Nein auf so was hatte die kleine Seele keine Lust!

Und so hatte sie sich in dem Körper in dem sie wohnte eine kleine Höhle gebaut. Über die Jahre hat sie sich also in ihrer Höhle verkrochen und ist nur hin und wieder kurz rausgekommen, wenn ihre Freundin, das Herz, von einem neuen Menschen im Leben des Körpers in dem sie wohnen erzählt hat. Da hat die kleine Seele einen kurzen Blick riskiert und immer beschlossen wieder in ihre Höhle zurück zu gehen. Die Männer waren zwar nett, aber die kleine Seele wollte lieber noch ein wenig warten, bevor sie sich zeigte.

Wirklich lange blieb keiner und ihre Freundin kam wieder ganz traurig daher. Nein wirklich, wieso sollte sie so ein Verletzung riskieren? Ihre Höhle hatte sie sich so richtig gemütlich eingerichtet, auch wenn es ab und zu sehr einsam war. Aber da war ja ihre Freundin, das Herz, und ihr Bekannter, der Verstand. Mit dem würde sie sich nie wirklich anfreunden können. Aber zum Diskutieren war der Verstand immer gut. Sie hatte ein richtig angenehmes Leben, zwar nicht aufregend und abwechslungsreich, aber nett.

Bis zu jenem Tag, der ihr Leben veränderte.

Sie döste gerade vor sich hin, der Körper war arbeiten und das Herz stand gerade unter der Dusche. Und auf einmal stand da jemand vor ihr, in ihrer Höhle und sagte „Hallo! Kennen wir uns nicht?“ Und die kleine Seele sagte – gar nix. Ihr war die Spucke weggeblieben und sie hatte aufgehört zu atmen. Wer zum Teufel war das, und wie ist er hier reingekommen?

Ihre Höhle war zwar nicht gesichert wie Fort Knox, aber die Tür hatte sie auf jeden Fall zugesperrt und überhaupt wie hatte er überhaupt die Höhle gefunden und wieso wollte sie ihn am liebsten Umarmen? Was zum Teufel war hier los? Auf einmal kam auch ihre Freundin, das Herz, nur mit einem Badetuch bekleidet und hüpfte aufgeregt auf und ab. Sie stubste sie an und flüsterte ihr ins Ohr: „Das ist er! Der auf den wir unser ganzes Leben gewartet haben. Spürst du es nicht auch?“

Und ja sie fühlte es, er war der, der für sie bestimmt war, sonst hätte er ja den Weg zu ihr nicht finden können. Er mußte es einfach sein. Doch da kam auch schon der Verstand vorbei und fragte die 2 Mädels ob sie denn jetzt komplett durchgedreht wären. „Der Typ hat doch schon eine Frau, also was sollte er von euch wollen? Vergesst es gleich wieder. Der Typ ist tabu“. Und damit hatte er auch noch recht. Mist!

Er saß eine Stunde neben dem Körper und so hatte die kleine Seele Zeit ihn sich genauer anzuschauen. So wie sie den Körper einschätze würde ihr die Hülle des Typen auch gefallen. Das war nicht gut. Sie waren sich noch nie alle einig gewesen. Der einzige der im Moment noch Einwände gegen diese Verbindung hatte war der Verstand. Aber vielleicht könnte man den ja auch noch überzeugen.

Der Typ musterte unsere kleine Seele auch gerade. Er war so süß und sie mußte die ganze Zeit grinsen, wenn sie ihn anschaute. Sie hatte so ein komisches Gefühl, was ist das bloß? Und dann fiel es ihr ein, ihre Freundin das Herz hatte ihr die Symptome schon öfter geschildert. Was sie fühlte war „GLÜCK“. Wow, was für ein Gefühl. Das wollte sie behalten, das war ja echt toll.

Sie fühlte als wäre sie nach einer langen Reise, endlich angekommen. Sie fühlte sich vollständig! Ja das wars.

Wieso geht er weg, was soll das. He! Hiergeblieben! Wieso geht der Körper nicht mit? Nicht laß ihn gehen, wir haben ihn doch gerade erst gefunden, wir dürfen ihn nicht gleich wieder verlieren. Weg ist er. Und die kleine Seele fällt ihn ein tiefes Loch. Was zum Teufel soll das? Was? Und der Körper geht jetzt einfach eine rauchen, oder was? Die ist echt das letzte, die soll den Typen suchen. Huch, da ist er ja!

Die kleine Seele muß auf einmal hüpfen und grinsen muß sie auch schon wieder. Den Typ muß sie einfach für sich gewinnen. Der ist einfach perfekt! O mein Gott, er kommt rüber. „Hey du, ich hab das Gefühl, ich kenn dich schon ewig! Schätze wir hatten in einem anderen Leben schon mal das Vergnügen! Würd echt gern Zeit mit dir verbringen, fühl mich richtig wohl bei dir!“ Die kleine Seele ist total baff. Das ist genau daß was sie sich gerade gedacht hat. Ja, ja natürlich will ich Zeit mit dir verbringen. Sehr gern sogar!

Und da merkt sie, daß sich auch die Körper interessiert mustern, nur ihre Freundin, das Herz, ist traurig. Das Herz ihr gegenüber ist verschlossen, dabei würd sie es so gern kennen lernen. Aber da steht eine dicke Mauer, sie kann es noch nicht mal sehen. Ja eine von uns kriegt halt nie was sie will.

Ach da kommt ja auch schon wieder der Verstand vorbei „Seids nicht so dumm, ihr werdet alle 3 nicht bekommen was ihr wollt, und ihr werdet alle 3 heulend in einer Ecke liegen und ich muß mich dann wieder um euch kümmern und euch gut zureden. Wieso vergeßt ihr das Ganze nicht gleich und wir ersparen uns den Schmerz, bitte!“


Doch da tat die kleine Seele etwas, was sie noch nie zuvor getan hat. Sie steht auf und sagt „NEIN, irgendwer hat uns den Typen geschickt, er hat meine Höhle gefunden und die versperrte Tür geöffnet. Egal was passiert, ich werde es riskieren. Wenn nicht bei ihm, wann dann?“ Und der Verstand fragte die kleine Seele, „aber was tust du wenn er dich nicht will?“

„Ganz viel weinen“, antwortet die kleine Seele.

Und jetzt, fast 3 Jahre später, ist es so weit. Die kleine Seele weint und weint und weint.

Und niemand ist da der sie trösten kann, denn ihr bester Freund ist leider derselbe, wegen dem sie weint. Er will sie nicht mehr. Er will seine Zeit nicht mehr mit ihr verbringen. Er will sie nicht mehr in den Arm nehmen. Aber sie ist nicht die einzige die weint.

Auch ihre beste Freundin das Herz, leidet. Sie hat in den letzten Jahren hin und wieder einen Blick auf das andere Herz erhascht, und was sie da gesehen hat, hat ihr so sehr gefallen. Doch seit ein paar Wochen sind alle Löcher in der Mauer wieder verschlossen und sie hat keine Chance mehr, noch mal einen Blick auf das Herz ihr gegenüber zu erhaschen.

Doch auch der Körper leidet. Sie will den anderen Körper wieder spüren. Ihn drücken und halten. Ihn küssen und lieben. In seinen starken Armen einschlafen und neben ihm aufwachen. Doch auch sie kriegt nicht was sie will.

Und der Verstand läuft nur mehr im Kreis „ Wieso tut er das? Warum sagt er das? Wo hab ich mich geirrt? Wann hab ich den Fehler gemacht? Es ist alles meine Schuld!“

Die kleine Seele hat nur eine Frage „Warum will er mich nicht mehr?“ Und schon weint sie wieder weiter.

© Libellchen, 2010

10 Kommentare zu “Meine kleine Seele – Beginn und Ende?

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  3. Also ich sag in solchen Fällen immer: „Das Glück findest du nicht in den Armen eines Mannes (oder Frau), das Glück findest du nur in dir selbst.“
    Und wenn man das kapiert hat, wird man auch mit dem Gegenüber zufriedener… bzw. glücklicher 🙂

  4. Pingback: Nachfolgerin? | Libellchen

  5. So traurig, wie sie letztlich auch endet, aber ich mag deine Geschichte von der kleinen Seele sehr. Ich finde deine Idee wunderbar, deinem Verstand, dem Herzen, deinem Körper und deiner Seele eine eigene Stimme zu geben…, sie agieren zu lassen…, aus ihnen liebevolle Persönlichkeiten zu machen, denn das sind sie allesamt.
    Ich habe auch die vielen anderen Texte von der kleinen Seele gelesen, und überhaupt hier viel gestöbert…, bin fasziniert von deiner Kreativität und Offenheit…, kann mich nur schwer losreißen von deinen Worten… und komme dennoch immer wieder gern zu dieser Seite hier zurück. Villeicht weil ich deiner kleinen Seele hier zum ersten Mal begegnet bin, und sie mich an dieser Stelle zum ersten Mal berührt hat – im wahrsten Sinne des Wortes!

    Liebe Grüße aus dem verregneten Berlin sendet dir
    Rolf

    • Hallo lieber Rolf!

      Herzlich willkommen auf meinem Blog! 🙂 Schön dass dir meine Geschichten gefallen. Ich muss allerdings sagen, die Offenheit kann ich nur ausleben da ich unter einem Synonym schreibe. Andererseits habe ich mittlerweile schon einigen Menschen, die mich auch real kennen, von diesem Blog hier erzählt.
      Nach fast 3 Jahren bloggen, könnte ich es mir auch gar nicht mehr anders vorstellen, als vollkommen offenen meinen Gefühlen und Gedanken ihren Lauf zu lassen.
      Für mich ist das aufarbeiten meiner Gefühle und Gedanken hier, so etwas wie eine Selbsttherapie. Seit ich schreibe geht es mir bedeutend besser im Leben. Und so gesehen bin ich auch sehr dankbar das meine kleine Seele diesen Weg gehen durfte – inklusive traurigem Ende – denn ohne diese Erfahrung, gäbe es diesen Blog auch nicht!
      Ich wünsch dir noch viel Spaß beim Lesen hier!

      Liebe Grüße aus dem ebenfalls verregneten Österreich 🙂

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